Berlin - Im Berliner Zoo und Tierpark ist wieder einmal "der Bär los", wie es so schön heißt, wenn es so richtig kracht. Hinter vorgehaltener Hand heißt es auch, es bestätige sich wieder einmal, dass sich der seit längerer Zeit heftig umstrittene Herr der Tiere in Berlin, Bernhard Blaszkiewitz, wie ein Elefant im Porzellanladen verhält. In internen Schreiben hat der Zoo- und Tierparkchef vor die Nachnamen weiblicher Mitarbeiter die Formel 0,1 gesetzt. Diese steht in der Zoo-Welt für "Weibchen", im Detail bei bestimmten Tierarten auch für "Zuchtstuten".

Beim nächsten Aufreger geht es den Zoo-Helfern direkt ans Geld. Viele Zoo-Angestellte würden Weihnachtsgeld kassieren, obwohl sie ganz und gar "unchristlich" seien, schnaubte Blaszkiewitz am vergangenen Mittwoch bei einer konfliktreichen Betriebsversammlung im Tierpark Friedrichsfelde.

"Klarer Fall von Diskriminierung"

Das war Spitzenvertretern in Politik und Gewerkschaft nun doch zu viel. Berlins Frauen-Senatorin Dilek Kolat (SPD) spricht wohl klar aus, was in diesem Fall nicht nur Frauen denken: "Das ist ein klarer Fall von Diskriminierung." Sie hält Blaszkiewitz in leitender Funktion nicht mehr für tragbar. "Wer so handelt, hat sich als Führungspersönlichkeit disqualifiziert."

Für die Gewerkschaft Verdi fallen der Landesbezirksleiterin für Berlin/Brandenburg, Susanne Stumpenhusen, noch deutlichere Worte ein. Sie spricht von absurden Äußerungen, von "Quatsch" und "Blödsinn". Weihnachtsgeldzahlungen dürften in keinem Fall mit der persönlichen Einstellung zur Religion verbunden werden.

Der in zahlreichen Verbal-Duellen als Dauer- und Lieblingsgegnerin bekannten Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling soll Blaszkiewitz unterstellt haben, sie sei mit ihrer ständigen Kritik, vor allem an der Elefantenhaltung, "einfach bösartig". Die Politikerin fordert nun die sofortige Abberufung von Blaszkiewitz durch den Senat. Der Zoo-Chef sei "disqualifiziert als Chef" und habe "herabwürdigende und diskriminierende Umgangsformen". So dürfe kein Chef mit den ihm anvertrauten Tieren und Menschen umgehen. Das Maß sei voll, für die Entlassung sei es höchste Zeit, fordert Hämmerling.

Blaszkiewitz reagiert als Unschuldslamm

Blaszkiewitz reagiert erst einmal, wie schon bei früheren Vorwürfen, als Unschuldslamm. Die Klassifizierung von weiblichen Mitarbeitern unter einer Formel für weibliche Tiere sei "nicht etwa eine Bezeichnung der Missachtung". Wörtlich heißt es in seiner Antwort auf eine parlamentarische Grünen-Anfrage: "Im Gegensatz zu den männlichen Mitarbeitern, bei denen lediglich der Nachname - übrigens auch unter Weglassung des akademischen Titels - genannt wird, ist dies als Höflichkeit gegenüber den weiblichen Mitarbeitern gedacht."

Generell bewertet Blaszkiewitz die Tatsache, dass diese Schreiben und Zitat-Auszüge aus der Betriebsversammlungen Medien zugespielt worden sind, als Vertrauensbruch und Verstoß gegen Arbeitsverträge. Die Inhalte würden "die Öffentlichkeit einen feuchten Kehricht angehen", sagte Blaszkiewitz am Samstag.

Blaszkiewitz hat persönlich schon seit vielen Jahren zahlreiche Gegner und Kritiker. Besonders unter Druck stand er, als er vor einem Parlamentsausschuss zugeben musste, vor mehr als 20 Jahren im Tierpark vier junge Katzen eigenhändig durch Genickbruch getötet zu haben. Kritisch bewertet wurde auch seine äußerst knappe Reaktion nach dem Tod einer Pflegerin durch einen ausgebrochenen Moschusochsen („Ein Moschusochsenbulle ist eben kein Schmusetier“).

Weltweit Kritik auch von Experten musste er sich wegen mehrerer Entscheidungen über die Haltung des berühmten Eisbären Knut anhören. Viele Tierfreunde waren auch wütend, als Blaszkiewitz die beliebte Knut-Show mit dem damaligen Tierpfleger Thomas Dörflein vorzeitig stoppte.

Kürzung der Fördermittel der EU

Als undiplomatisch erschien auch seine spöttische Bemerkung im Streit um die Rechte an Eisbär Knut mit dem Tierpark Neumünster. Blaszkiewitz sagte: "Die kriegen ein paar Pinguine und das wars." Das und anderes empörte die Zoologen in Schleswig-Holstein so sehr, dass sie vor Gericht zogen und am Ende vom Zoo Berlin für die Knut-Rechte 430.000 Euro erstritten. Wirtschaftlich negative Folgen hatte auch eine Fehlorganisation des Tierparks für die Sanierung des Brehm-Hauses. Dies kostete Anfang dieses Jahres eine Kürzung der Fördermittel der Europäischen Union um 126.000 Euro.

Blaszkiewitz selber zeigte sich stets hart im Nehmen. 2009 war er am Affengehege kurz unvorsichtig, ein Schimpanse biss ihm einen Zeigefinger ab. Der Versuch des Annähens in der Chirurgie misslang wegen einer späteren Wundinfektion. Bei der ersten Pressekonferenz nach dem Vorfall zeigte er den Fotografen demonstrativ den verheilten Stumpf. Auch aktuell will er offensiv bleiben: "Ich bin das Leitbild" - das soll er in der emotional aufgeladenen Betriebsversammlung verkündet haben. Er wisse, dass man ihn hier "weghaben" wolle. Aber, so Blaszkiewitz: "Das klappt nicht."(dpa)