Zoo und Tierpark Berlin: „Dem ersten Rücktritt sollte ein zweiter folgen“

Nach dem plötzlichen Rücktritt von Zoo-Vize Gabriele Thöne am vergangenen Freitag gibt es jetzt Forderungen nach umfassenden Reformen in Zoo und Tierpark Berlin. Abgeordnete der Koalitionsfraktionen aus SPD und CDU wollen, dass sich die Unternehmen endlich moderner aufstellen. Der Druck auf den Aufsichtsrat der Zoo AG wächst deshalb, sich nun endlich mit einer Person zu beschäftigen, die seit Jahren aus den Negativ-Schlagzeilen nicht herauskommt: Bernhard Blaskiewitz, dem Chef beider Berliner Einrichtungen.

Längst nicht mehr modern genug

Gabriele Thöne habe mit ihrem Rücktritt ein Zeichen setzen wollen, sagt Danny Freymark, der tierschutzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Jetzt sei es Sache des Aufsichtsrates, zu handeln und einen wirklichen Neuanfang zu ermöglichen. „Dem ersten Rücktritt sollte deshalb nun ein zweiter folgen“, sagt Freymark. „Wir wollen eine Geschäftsführung, die rasch die Aufgaben in Angriff nimmt, die erforderlich sind.“

Denn Zoo und Tierpark Berlin können sich längst nicht mehr mit anderen Einrichtungen in der Republik und darüber hinaus messen – es gibt veraltete Tiergehege, zu wenig Service und zu wenig attraktive Angebote für die Besucher. Zwar wurde Mitte Juni im Zoo ein neues Vogelhaus eröffnet, im Tierpark wird das Alfred-Brehm-Haus saniert. Doch das reicht nicht aus, um eine Anziehungskraft zu entwickeln wie beispielsweise der Zoo Leipzig. Dieser hat mit dem Gondwana-Land, einer riesigen Tropenhalle, in der 90 Tierarten leben, einen Anziehungspunkt für Besucher geschaffen. Deren Zahl verdreifachte sich daraufhin. In Berlin stagnieren die Besucherzahlen seit Jahren.

„Zoodirektor ist eigentlich einer der sympathischsten Jobs, den man haben kann“, sagt Daniel Buchholz, der Tierschutzexperte der SPD. Doch Blaszkiewitz sei es gelungen, dieses Ansehen in der Öffentlichkeit zu verspielen. „Er ist zwar mit Herzblut bei seinem Job und er liebt die Tiere“, sagt Buchholz. Dennoch seien seine Ansichten und Methoden längst nicht mehr zeitgemäß.

Blaszkiewitz rüffelt nicht nur gern mal Tierschützer wie die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling, die seit Jahren mit ihm im Clinch liegt, sondern ist mit seiner polternden Art auch bei vielen Mitarbeitern gefürchtet. Eine Anwaltskanzlei hat deshalb mit den Beschäftigten gesprochen und alle Vorwürfe gegen Blaszkiewitz aufgenommen. Der Bericht soll dem Aufsichtsrat zur Kenntnis gegeben werden.

Geht Blaszkiewitz freiwillig?

„Der Aufsichtsrat muss jetzt abwägen, ob er den Rücktritt von Frau Thöne als Zäsur für einen Neuanfang nutzt“, sagt Buchholz, „inhaltlich und personell“. Besonders der Tierpark habe bekanntlich einen großen Modernisierungsbedarf. Ein Masterplan 20+ für die Einrichtung sei bisher nicht über erste Denkansätze hinausgekommen. Dabei hatte das Abgeordnetenhaus bereits 200 000 Euro Planungsmittel freigegeben, weitere fünf Millionen Euro sollten für erste Investitionsmaßnahmen fließen. „Die hat der Hauptausschuss noch nicht bewilligt, weil das nicht konkret untersetzt war“, sagt Buchholz. Insider berichten, dass Thöne und Blaszkiewitz auch darüber uneinig waren. Der Vertrag von Thöne wäre im September ausgelaufen, der ihres Chefs läuft noch bis Mitte 2014 – wenn er nicht vorher vom Aufsichtsrat gekündigt wird.

Ob Blaszkiewitz selbst das Handtuch wirft, war am Montag nicht zu erfahren. Der 59-Jährige ist gerade in Moskau und ließ bei einem Telefongespräch nur wissen, dass er auf diese Frage nicht antworten wird: „Ich bin jetzt auf Dienstreise.“ Auch Frank Bruckmann, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Zoo AG, hauptamtlich Finanzvorstand der Berliner Wasserbetriebe, will sich derzeit nicht äußern. Der Aufsichtsrat tagt das nächste Mal im September.

So bleibt es Thomas Ziolko vorbehalten, aktiv zu werden. Der Chef des Fördervereins der Hauptstadtzoos lädt am 1. August um 18 Uhr ins Schloss Friedrichsfelde zum Zukunfts-Dialog ein. Es geht um Ideen für mehr Service-Qualität im Tierpark.