Zoologischer Garten Berlin: Die tierischen Stars im Jahr 2015

Das Verständnis für die Haltung von Zootieren hat sich in den letzten 100 Jahren grundlegend gewandelt. Früher schien es wichtig, eine möglichst große Sammlung schöner und seltener Tiere zu präsentieren. Heute sind Zoologische Gärten Orte der Erholung, der Wissensvermittlung sowie eine wichtige Basis zur Rettung bedrohter Arten und zur Erhaltung eines optimalen Genpools. International gibt es dazu einen regen Austausch von Tieren zwischen den einzelnen Tiergärten. Kurator Tobias Rahde erzählt über spezielle Zuchterfolge des Berliner Zoos im Jahr 2015.

Im besten Fall führt die Zucht im Zoo dazu, dass Tiere wieder ausgewildert werden können, um die wildlebenden Populationen zu unterstützen oder gar neu aufzubauen. Wobei engagiert sich der Zoo da besonders?

Wir haben im August 43 Moorenten in die Nähe von Hannover gebracht, wo sie am Steinhuder Meer angesiedelt werden sollen. Seit den 80er-Jahren ist die Moorente in Niedersachsen nämlich als Brutvogel ausgestorben. Das Projekt läuft seit 2012 und wird von mehreren Zoos unterstützt. Sollten unsere 60 Moorenten weiterhin so erfolgreich brüten, werden wir auch nächstes Jahr wieder an der Auswilderungsaktion teilnehmen. Das Projekt liegt mir besonders am Herzen, denn ich komme aus dieser Gegend. Außerdem sind wir im Schutz der Okapis und Bonobos im Kongo sehr aktiv.

Man kann unmöglich über das Jahr 2015 reden, ohne Rieke zu erwähnen. Wie geht es ihr?

Sehr gut! Das Orang-Utan-Mädchen ist nun fast ein Jahr alt und mittlerweile 60 bis 70 Zentimeter groß. Für ihre elfjährige Mutter war Rieke der erste Nachwuchs, und trotz intensiver Bemühungen unserer Tierpfleger wollte sie ihr Baby nicht annehmen, sodass es mit der Flasche von Hand aufzogen werden musste. Doch da die menschliche Gesellschaft die tierische nicht ersetzt, haben wir sie nach Monkey World ins britische Dorset gegeben. Dort kann Rieke mit gleichaltrigen Orang-Utans groß werden. Und das funktioniert sehr gut, wie wir aus England hören.

Weitere Medienstars waren zwei Pudus, die im Internet viele Anhänger hatten. Sind die kleinsten Hirsche mittlerweile groß?

Ja, klar, das geht bei dieser Tierart schnell. Eines der Jungtiere ist schon gar nicht mehr bei uns. Es ist in einen Zoo nach Frankreich gekommen. Das war im Frühjahr ein sehr schöner Anblick, wie die beiden Kleinen, die verschiedene Mütter haben, von beiden Alttieren gleichermaßen versorgt wurden. Sie durften bei der Mutter des jeweils anderen Pudu saugen. Ein sehr spezielles Familienerlebnis.

Das hätten Sie sich von den Seelöwen sicher auch gewünscht?

In der Tat. Das waren damals dramatische Wochen. Zwei Seelöwenmütter hatten jeweils ein Junges geboren. Leider starb die eine Mutter dann, sodass das Leben des Kleinen auf des Messers Schneide stand. In diesem Fall ist die andere Mutter nicht eingesprungen. Wir haben das Junge über eine Sonde ernährt. Zum Glück ist alles gut gegangen. Mittlerweile frisst Aileen selbstständig und hat sich prächtig entwickelt.

Auf welche Züchtungen sind Sie besonders stolz?

Da würde ich gern unsere drei Krauskopfpelikane erwähnen. Hier ist uns die erste Naturbrut seit fünf Jahren gelungen. Früher mussten wir die Eier immer aus dem Gelege nehmen und die Pelikane von Hand aufziehen. Jetzt sind die Eltern älter und erfahrener geworden und haben sich vorbildlich um ihren Nachwuchs gekümmert. Vielleicht war es vorher auch zu laut wegen der Bauarbeiten am Bikini-Haus, sodass die Ruhe zum Brüten gefehlt hat. Die Tiere sind übrigens winterhart und können auch jetzt im Freien besichtigt werden.

Außerdem sei noch unbedingt der Andenkondor genannt, das ist der größte Vogel der Welt. Die Bruthöhle befand sich hoch oben am Fels, sodass wir nicht hineinschauen konnten. Als sich der Jungvogel dann erstmals zeigte, wussten wir: Es ist ein Mädchen. Männchen haben nämlich einen Kamm auf dem Schnabel.

Das Gespräch führte Karin Stemmler.