Berlin - Nashörner mögen Reiskuchen mit Rosinen. Tapire, Affen und Vögel auch. Bert Schulz (23), steht in der Futterküche des Berliner Zoos, es ist 5.30 Uhr. Er rührt in fünf großen Edelstahltöpfen. Jeder fasst acht Liter Inhalt. Noch ist dieser ein weißlich-schleimiger Brei. Eine halbe Stunde später wird er fest sein – und, gestürzt und abgekühlt, stattliche Reiskuchen ergeben. Die erinnern ein wenig an große runde Käse. „Mineralstoffkalk, Bierhefe, Bruchreis, teilweise auch Rosinen“, zählt Schulz einige der Inhaltsstoffe auf.

Weintrauben für Reptilien

„Auch bei Spatzen sind die Reiskuchen heiß begehrt“, sagt Ingeborg Griesbach. Die 55-jährige ist die Chefin des zentralen Futtermagazins des Zoos, zu dem die Futterküche gehört. Die Spatzen werden dort natürlich nicht versorgt. Aber sie lauern am Wirtschaftsgebäude in der Müller-Breslau-Straße immer auf Gelegenheiten, in das Magazin im ersten Stock des Hauses hineinzukommen. „Da muss man aufpassen, die klauen gern“, sagt die Tierpflegerin.

Während die Reiskuchen noch köcheln, sind Kartoffeln, Möhren und Mais schon aus dem Dampfgarer heraus. Manche Tiere bekommen das Gemüse nicht roh, weil sie das schlecht vertragen. „Wer was erhält, das legen die Kuratoren fest“, sagt Ingeborg Griesbach. Kuratoren sind Wissenschaftler, die für bestimmte Tierarten zuständig sind und den Ernährungsbedarf und die Gewohnheiten der verschiedenen Rassen genau kennen. Ausgewogen muss das Futter sein und genug Vitamine und Nährstoffe enthalten. Dafür gibt es wissenschaftliche Richtlinien. Im Futtermagazin werden die bestellten Rationen zusammengepackt.

Obwohl Ingeborg Griesbach die Zahlen eigentlich im Gedächtnis hat, hängen an den Wänden große Merktafeln: „Fasanen: 1 Eimer Äpfel, 14 Orangen, 40 Bananen, 6 Birnen, 10 Eier (roh)“, steht darauf. Selbst Tiere, von denen Laien das nicht vermuten, erhalten neben Fleisch noch Obst und Gemüse. Zum Beispiel die Reptilien. Montags und freitags bekommen sie Äpfel, Birnen, Gurken, Tomaten, Paprikaschoten und Weintrauben. An anderen Tagen gibt’s noch Kopfsalat, Orangen und frische Kräuter dazu.

Extrawürste für die Menschenaffen

Die meisten Zoo-Tiere mögen vegetarische Kost oder diese wenigstens als Beilage. Von den rund 1438 Tonnen Futter, die im Jahr 2011 im Berliner Zoo verzehrt wurden, waren weniger als ein Zehntel Fleisch und Fisch. Beides wird bei minus 18 Grad Celsius in den Kühlkammern des Magazins aufbewahrt. Fische – Süßwasser- und Seefische wie Rotaugen, Stinte und Sprotten – sind zu großen Blöcken gefroren. In anderen Räumen hängen Rinder- und Pferdehälften von der Decke herab. „Schwein wird nicht verfüttert, wegen der Trichinengefahr“, erzählt Ingeborg Griesbach.

Bis auf die kontinuierliche Kontrolle der Kühlung hat Ingeborg Griesbach mit dem Fleisch selbst wenig zu tun. Nach dem Auftauen übernehmen Mitarbeiter aus den Raubtier- und Raubvogelrevieren die Portionierung. Dafür gibt es extra einen Schlachterraum im Magazin. Gefrorene Küken und Mäuse, die ebenso wie lebende Mäuse und Ratten von verschiedenen Tierhändlern kommen, werden gleich in die Reviere geliefert, beispielsweise zu den Greifen. Griesbach und ihr Team portionieren vor allem die pflanzliche Kost: „Am meisten werden Äpfel gefressen, pro Woche 2200 Kilogramm“, sagt sie. Möhren werden fast genauso viel verfüttert, 1420 Kilogramm in jeder Woche.

Manchmal gibt es Extrawürste. Die Menschenaffen bekommen hin und wieder ein gebratenes Huhn. „Mittwoch Brathähnchen mit Pommes“ steht auf einem Merkzettel. „Das ist aber nur ein Scherz“, sagt Ingeborg Griesbach. Pommes gebe es natürlich nicht – viel zu kalorienhaltig und zu fett für die Tiere, ungesund. Für Knut, den beliebten Eisbären, der im März 2011 an einer Virusinfektion gestorben war, hatte Ingeborg Griesbach zum Geburtstag immer eine mit Gemüse und süßem Obst gefüllte Eistorte hergestellt. Besucher hatten sich ein Geburtstagspräsent für ihn gewünscht. „Jetzt haben wir so etwas schon lange nicht mehr gemacht“, sagt sie. Vielleicht kreiert sie ja eine Leckerei im August, wenn das kleine Elefanten-Mädchen Anchali, einer der Publikumslieblinge im Zoo, ein Jahr alt wird.

Weihnachtsbäume für die Elefanten

Jedes der 21 Reviere im Zoo bekommt seine Bestellungen in Plastikkisten geliefert, mit einem Kleintransporter fährt Tierpfleger Tim Kühn diese ab 6 Uhr aus. Es gibt eine Unterführung im Bahndamm, durch die man vom Wirtschaftsgebäude an der Stadtbahnstrecke auf die andere Seite zu den Tierhäusern und Gehegen gelangt. Spätestens um 9 Uhr, wenn der Zoologische Garten für die Besucher öffnet, wird Kühn mit seinen Touren fertig sein. Sein erster Weg führt ihn diesmal zu den Bären, den Schweinen und den Greifen. Danach folgen Hirsche, Rinder und die Flusspferde.

Während der 23-Jährige noch unterwegs ist, fährt im Futtermagazin ein Lkw an die Rampe. Jürgen Mikolayzcak von der Firma Weiss bringt Ware vom Fruchthof, dem Berliner Obst- und Gemüsegroßmarkt. Noch einmal wird er an diesem Tag mit seinem Laster kommen. Die Äpfel, Möhren, Bananen und Avocados sehen aus, als stammten sie aus der Auslage eines Geschäftes. „Der Fruchthof, bei dem wir kaufen, liefert nur 1a-Ware“, sagt Ingeborg Griesbach. Früher habe der Zoo auch Übriggebliebenes aus Supermärkten geschenkt bekommen. „Doch jetzt geht das als Spende an die Berliner Tafel, für bedürftige Menschen.“

Einige Spenden bekommt der Zoo immer noch. Jedes Jahr Ende Dezember erhält er Weihnachtsbäume, die vor dem Fest nicht verkauft wurden. Die lassen sich die Elefanten schmecken, die Eisbären spielen damit. Ein Bäcker liefert nicht verkaufte Brote und Brötchen, ein Händler Gläser mit Walnüssen in Sirup – der Inhalt ist eine Leckerei für die Bären. „Ihr Kompott“, sagt Ingeborg Griesbach.

Überzeugte Vegetarierinnen

Während im Futtermagazin die neue Lieferung abgeladen und verstaut wird, ist im Menschenaffenhaus das Licht in der kleinen Schauküche angegangen. Schon seit 8 Uhr sind die Tiere in ihren Gehegen unruhig. Silberrücken Ivo, das stattliche Gorilla-Männchen, hat bereits mehrfach kräftig gegen die Scheibe geschlagen: Hunger.

Bisher gab es nur Kamillentee, die erste der drei Tagesmahlzeiten bekommen die Affen zwischen 9 und 9.30 Uhr. Sie fallen für die Gorillas magerer aus als für die anderen Menschenaffen: Weil sie sonst zu dick werden, müssen sie auf energiereiche Kost wie Bananen und Äpfel verzichten. Sie bekommen mehr Gemüse und viel frisches Laub. Vor einigen Jahrzehnten wurden Gorillas mit dicken Wurststullen gefüttert. Heute gilt das als falsch.

Christian Aust, der Reviertierpfleger, schnippelt in der Schauküche das Frühstück für die Schimpansen. Möhren, Fenchel, Salat, Porree. Weil die Schimpansen weniger zum Dickwerden neigen, dürfen sie auch das essen, was den Gorillas verwehrt wird: Weintrauben, Bananen und gekochte Eier. Innerhalb weniger Minuten hat Aust drei große Schüsseln mit geschnittenem Obst und Gemüse gefüllt und verteilt sie im Freigehege. Die Schimpansen, die dem Pfleger gefährlich werden könnten, müssen derweil im Haus warten. Ist der Pfleger weg, dürfen die Affen futtern.

Schimpansin Lilly klaubt Porreestücke zusammen, die schmecken ihr am Besten. „Jeder hat halt seine Vorlieben“, sagt Aust. Manchmal würde den Schimpansen auch gekochtes Rind- oder Pferdefleisch angeboten. „Das mögen aber nur die beiden Männchen.“ Die drei Weibchen seien überzeugte Vegetarierinnen, sagt er. Manches sei bei Tieren eben ähnlich wie bei den Menschen. „Da essen schließlich auch die Frauen mehr Salat.“