Soll die Konrad-Adenauer-Straße unweit des Reichstags umbenannt werden? Ja, wenn es nach Autor und Blogger Johannes Kram ("Nollendorfblog") geht. Er hat bei Change.org eine Petition gestartet, die fordert, mit dem Straßennamen künftig an Wolfgang Lauinger zu erinnern - eines der bekanntesten Opfer des Paragrafen 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern Jahrzehnte lang unter Strafe stellte.  

Wegen seiner Homosexualität saß Lauinger in der Adenauer-Zeit mehrere Monate in Untersuchungshaft. Später kämpfte er viele Jahre dafür, dass verfolgte Homosexuelle rehabilitiert und entschädigt werden. Auch ihm ist es zu verdanken, dass im Juli ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wurde, mit dem die damaligen Urteile aufgehoben wurden. 

Kurz vor Weihnachten starb Lauinger mit 99 Jahren - jedoch, ohne selbst rehabilitiert zu werden. Grund ist eine Lücke im Entschädigungsgesetz: Lauinger wurde nach seiner Untersuchungshaft nicht schuldig gesprochen. Deshalb wurde sein Entschädigungsantrag kurz vor seinem Tod abgelehnt. Bundesjustizminister Heiko Maas, Initiator des Gesetzes, äußerte sich gegenüber dem Onlinemagazin Buzzfeed darüber „betroffen, dass das Gesetz in diesem Fall nicht angewandt werden kann“ und kündigte an, sich mit Lauinger in Verbindung zu setzen. Dazu kam es jedoch nicht mehr. 

Auch deshalb wäre die Umbenennung der jetzigen Konrad-Adenauer-Straße "eine angemessene Würdigung der Lebensleistung Lauingers", heißt es in der Petition. Adenauer habe sich außerdem "persönlich für die Beibehaltung der Homosexuellenverfolgung durch von den Nazis verschärfte Version des Paragrafen 175 eingesetzt". Bislang haben mehr als 500 Menschen die Petition unterschrieben.