Frühlingszeit - für Biker der heiß ersehnte Start in die Saison. Allein an der Spinner-Brücke im Südwesten Berlins treffen sich an Wochenenden Hunderte Motorradfahrer aus der Region und präsentieren ihre Maschinen. Die Begeisterung teilen jedoch nicht alle: Zum Start der Frühlingssaison haben Umweltaktivisten gefordert, härter gegen Motorradlärm vorzugehen.

104.500 Motorräder waren 2017 nach Polizeiangaben in Berlin angemeldet. Angaben, wie viele davon zu laut gewesen sind, konnte die Behörde nicht machen. Es seien jedoch 11 Anzeigen in der Hauptstadt wegen Belästigung durch unnötigen Lärm im vergangenen Jahr gegen Motorradfahrer gestellt worden.

Geht es nach Holger Siegel, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Motorradlärm, muss eine Obergrenze in allen Betriebszuständen her, um das Problem zu lösen. Der jetzige Grenzwert von 78 Dezibel regele nur einen Bereich von 50 bis 80 Kilometer pro Stunde. „Das lädt zu Tricksereien ein“, meinte Siegel. So besäßen einige zugelassene Motorräder eine Auspuffklappe, mit denen per Knopfdruck die Lautstärke verändert werden könne. Aber auch mit Ersatzteilen könne die Vorschrift umgangen werden, weshalb der Handel mit ihnen verboten werden müsse.

Grüne fordern drakonische Strafen

Strengere Kontrollen und höhere Strafen forderten die Grünen. „Die Bußgelder in Berlin sind ein Witz“, sagte Georg Kössler, Sprecher für Klima- und Umweltschutz der Grünenfraktion im Abgeordnetenhaus. Zugleich verwies Kössler darauf, dass die meisten Regelungen auf Bundesebene festgelegt werden, weshalb es wichtig sei, bundesweite Initiativen zu unterstützen.

Nach Angaben von Sprecher Winfrid Wenzel konzentriert die Berliner Polizei ihre Kontrollen auf zu schnelle Motorradfahrer, um Unfälle zu verhindern. Zur besseren Überwachung des Motorenlärms sollen neue Schallpegelmessgeräte eingesetzt werden. Für zu laute Motorräder sei zur Zeit ein Bußgeld von bis zu 20 Euro fällig, erklärte Wenzel. Manipulierte Auspuffe kosteten den Entzug der Betriebserlaubnis und könnten je nach Gefährdung mit 50 bis 90 Euro sowie einem Punkt im Fahrtenregister geahndet werden. Uneinsichtige Fahrer müssten damit rechnen, dass sich das Bußgeld verdoppeln könne.

Lärmdisplay zeigt Bikern, wie laut sie fahren

Vorreiter bei der Lärmbekämpfung ist Baden-Württemberg: Dort gibt es einen Lärmbeauftragten, der an der Vermeidung von Lärm arbeitet. Über Lärmdisplays wird Motorradfahrern angezeigt, wie laut sie fahren. Der Leiter der Verkehrspolizeidirektion in Mannheim, Dieter Schäfer, schlug vor, dass Polizei und Verwaltung gezielter zusammenarbeiten müssen. „Die Möglichkeiten sind da, sie müssen nur mehr ausgeschöpft werden“, sagte Schäfer.

In Mannheim seien im vergangenen Jahr 238 Autos und Motorräder beanstandet worden, weil sie zu laut gewesen seien, 112 seien wegen technischer Veränderungen sichergestellt worden. Eine Datei, in der Bürger anonym Kennzeichen melden können, habe sich zudem ebenso bewährt wie intensivere Lärmkontrollen. (Lukas Dubro, dpa)