Zu wenig günstige Wohnungen: Experten erwarten keine Entlastung durch Neubau

Wer in Berlin eine Wohnung für eine Kaltmiete unter sechs Euro je Quadratmeter sucht, hat es schwer, etwas Passendes zu finden. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Und daran wird sich in Zukunft kaum etwas ändern.

Nach Expertenansicht bleibt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im sogenannten unteren Preissegment in den nächsten drei Jahren „äußerst angespannt“. Das geht aus dem Wohnungsmarktbarometer der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Es basiert auf Einschätzungen von rund 200 Fachleuten aus Politik, Wirtschaft, Behörden und Mieterorganisationen.

Entspannung nur in Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf

Einig sind sich die Experten darin, dass der Wohnungsmarkt in fast allen Bereichen von Miete und Eigentum angespannt ist. Am deutlichsten zeigt sich die Anspannung neben den Wohnungen im unteren Preissegment bei preisgebundenen Unterkünften, also bei Sozialwohnungen. Hier übersteigt vor allem im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Nachfrage das Angebot.

Die größten Defizite beim Angebot von Wohnungen zu Quadratmetermieten unter sechs Euro gibt es laut Marktbarometer in Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg und in Neukölln. Lediglich in Marzahn-Hellersdorf und Tempelhof-Schöneberg stellt sich die Situation noch etwas weniger unausgewogen dar, heißt es. Perspektivisch werde aber auch dort die Nachfrage das Angebot noch stärker übersteigen. Eine Entspannung der Lage erwarten die Experten nur in Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf.

Bei Wohnungen im mittleren Preissegment von sechs Euro bis unter neun Euro je Quadratmeter übersteigt die Nachfrage das Angebot ausnahmslos in allen Bezirken – vor allem in Charlottenburg-Wilmersdorf, in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg und Pankow. Eine nur leichte Anspannung konstatieren die Experten für Wohnungen im mittleren Preissegment in Marzahn-Hellersdorf. In den nächsten drei Jahren werde das Angebotsdefizit bei Wohnungen dieser Preisklasse „auf hohem Niveau bestehen“ bleiben, heißt es. Entspannungstendenzen im mittleren Preissegment werden laut dem Barometer lediglich für Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow angenommen. Das heißt: Die Experten rechnen nicht damit, dass es durch Wohnungsneubau eine Entlastung gibt.

Im oberen Mietpreissegment von neun Euro je Quadratmeter und mehr ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage schon jetzt in fast allen Bezirken ausgewogen. Nur in Reinickendorf, Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg werden leichte Angebotsdefizite konstatiert.

Angebot übersteigt Nachfrage

Bei Eigentumswohnungen übersteigt die Nachfrage das Angebot ebenfalls in fast allen Bezirken. Nur in Lichtenberg stellt sich die Marktsituation ausgewogen dar. Bei Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und Reihenhäusern übersteigt die Nachfrage das Angebot sogar noch stärker als bei Eigentumswohnungen.

Welche Wohnformen in der Zukunft besonders gefragt sind? Eine große Mehrheit der Experten geht davon aus, dass es künftig einen besonderen Bedarf für Formen des betreuten Wohnens im Alter gibt. Mit Abstand folgen Wohnangebote für Studierende, darunter klassische Wohngemeinschaften und Kleinstwohnungen und Mikroapartments.