Die Aufnahme entstand in der Zweit zwischen 1953 un 1955 imn Berlin. Ihr Originaltitel: Afrika im Zoo. Tanzspiel der Neger Berlin  
Foto: Stiftung Stadtmuseum Berlin/Harry Croner

BerlinMitte der 1950er-Jahre war die große Zeit der Völkerschauen längst vorbei, doch diese Aufnahme machte Harry Croner, der als Pressefotograf das West-Berlin der Nachkriegszeit festhielt, irgendwann zwischen 1953 und 1955 und gab ihr den Titel „Afrika im Zoo. Tanzspiel der Neger“.

Mitte der 1950er-Jahre war die große Zeit der Völkerschauen längst vorbei, doch diese Aufnahme machte Harry Croner, der als Pressefotograf das West-Berlin der Nachkriegszeit festhielt, irgendwann zwischen 1953 und 1955 und gab ihr den Titel „Afrika im Zoo. Tanzspiel der Neger“.

Afrika im Zoo

Es gehört in die Rubrik Theater und Varieté. Eine Aufnahme aus derselben Bilderserie hat die Unterzeile: „Afrika im Zoo. Austreibung von Leibschmerzen durch Feuerspeier“.

Heute lässt sich leicht abfällig reden über die Völkerschauen, vieles an diesen Veranstaltungen bietet Anlass für leichtfertige Empörung. Diese Inszenierungen fanden oft in Zoos statt, man arrangierte gern „lebensechte Szenen“, setzte Menschen aus Afrika, der Südsee, Asien oder der Arktis hinein mit der Aufgabe, sich „natürlich“ zu benehmen.

Was ist moralischer?

Mit ein wenig Einfühlungsvermögen in die Neugier der Europäer des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts kann man aber Gnade walten lassen. Diese hatten zunächst nicht einmal den Film zur Verfügung, um sich über das Fremde, Exotische zu informieren, geschweige denn konnten sie sich auf Flugreise per Billigairline begeben, um andere Völker kennenzulernen.

Heute begibt sich der Tourist ins Beduinendorf zum Kamelreiten oder zur Tanzvorführung in der Kenia-Lodge, früher ging man in die Völkerschauen. Wer will da vom moralisch hohen Ross aus urteilen, was edler sei?

Hagenbeck mit Häuptling Hersy Egga in Berlin. Laut Fotobeschriftung entstand das Bild zwischen 1905 und 1914.
Foto: Stiftung Stadtmuseum/ Alfred Lehmann

Für die Aussteller ging es um viel Geld. Wenn Carl Hagenbeck, der aus Hamburg stammende Großunternehmer auf diesem Gebiet Schauen mit Lappländern, Somaliern, Grönländern, Nubiern etc organisierte, kamen über 100.000 Besucher.

Waren sie als Wanderausstellung ausgelegt, gar als Europa-Tournee, überstiegen die Publikumszahlen leicht eine Million. Zwischen 1875 und 1930 fanden in Deutschland mindestens 400 solcher Schauen statt. Berlin als Haupt- und Millionenstadt zählte zu den Hauptausstellungsorten. Mit Menschen aus den Tropen verdiente Hagenbeck lange Zeit mehr als mit Tieren.

Wozu noch Reisen unternehmen ...

In seinen Lebenserinnerungenschreibt Hagenbeck, die Schauen brächten dem Publikum „Unterhaltung, Anregung und Belehrung“.  Insbesondere der Lehrzweck wurde von den Veranstaltern immer wieder betont und bei den Schulen direkt beworben.

Auch die Presse stimmte dem zu, wenn sie schrieb: "…wozu soll man noch Reisen unternehmen, oder geographische Bücher studieren, um seine Länder- und Völkerkenntnisse zu erweitern – wenn ein kluger Impresario uns in entgegenkommender Weise heute die Singhalesen oder Lappländer und morgen die Beduinen oder Dahomeaner vorführt."

Klischees gegen Gage

Die Programme richteten sich meist an den Klischeevorstellungen von fremden Menschen aus, die fantasievolle Bücher wie die von Karl May vorgezeichnet hatten. Sicherlich trugen solche Klischees und Inszenierungen auch zum Anwachsen von Rassismus bei, vor allem wenn körperliche Andersartigkeit herausgestellt wurde.

Nachweislich heuerten Impresarios wie Hagenbeck die Darsteller für die Völkerschauen auf freiwilliger Basis gegen Bezahlung an. Geld in Europa zu verdienen, war damals nicht weniger attraktiv als heute. Für die Zeit zwischen 1870 und 1940 wurden in Deutschland knapp 400 Truppen ausgemacht, die in der Regel mehrmals und an mehreren Orten auftraten.

Für die Anreise und den Aufenthalt wurden Verträge abgeschlossen, die den Lohn, freie Kost und Logis regelten, sowie die Betreuung während des Aufenthalts – auch durch das Auswärtige Amt. Dem Zeitgeist entsprechend muss man davon ausgehen, dass viele der Exoten-Darsteller den Herrenmenschen-Allüren ihrer Betreuer ausgesetzt waren.

„Mein stolzer Häuptling“

Das Foto, betitelt mit „Hagenbeck mit Häuptling“, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin aufgenommen. Der dunkelhäutige Mann hat die Hand des weißen Unternehmers ergriffen und schreitet in seinen offenen Sandalen nicht eben unterwürfig an dessen Seite.

Damals machte gerade eine Somali-Schau Furore. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Hagenbeck später: „Von dir, mein stolzer Häuptling Hersy Egga, hörte ich durch deinen Sohn Ali, den du zu deinem alten Freunde Hagenbeck in die Schule schicktest. An deinen Lagerfeuern wirst du noch deinen Enkeln erzählt haben von der großen Reise in das Reich der Ungläubigen, die so oft zu deinen besten Freunden wurden ...“

Aus geschäftlichen Gründen bemühten sich die Veranstalter zunehmend um Seriosität, um auch das bürgerliche, an Bildung interessierte Publikum anzuziehen und verlegte deshalb die   Ausstellungen weg von Schaubuden, Rummelplätzen und Vergnügungslokalitäten. Zoos erschienen als ernsthafte, bürgerlich-respektable Bildungseinrichtungen geeignet. 1908 eröffnete vor den Toren Hamburgs einen Tierpark und hatte fortan ein eigenes Ausstellungsgelände.