Jetzt haben die Juristen das Wort. Im Streit um den geplanten Bau einer Bahnstrecke im Süden Berlins hat eine Gruppe von Anwohnern ihren Rechtsanwalt damit beauftragt, eine Klage anzustrengen. „Wir werden uns gegen diese unsinnige Planung zur Wehr setzen. Und wir sind entschlossen, vor das Bundesverwaltungsgericht zu ziehen“, sagte Manfred Beck, der Vorsitzende der Bürgerinitiative Lichtenrade – Dresdner Bahn, am Donnerstag. Den Auftrag bekam der Berliner Anwalt Alexander Freiherr von Aretin. Er hat bereits die Dauer eines möglichen Verfahrens abgeschätzt: Es wird mindestens zwei Jahre dauern.

Drei Bürger klagen, die Initiative tritt als Nebenklägerin auf. Für das Verfahren wurden 50.000 Euro gesammelt, was aus jetziger Sicht für eine Klage zunächst ausreicht. Beck bittet um weitere Spenden, um auch Gutachter engagieren zu können.

Es geht um die Dresdner Bahn in Lichtenrade. 1952 wurde die Trasse, auf der einst Züge von Berlin nach Dresden fuhren, stillgelegt. Künftig soll es dort wieder Fahrten geben, zum Beispiel zum Flughafen BER und nach Prag. 1997 begann das Planfeststellungsverfahren für die zweigleisige Fern- und Regionalbahntrasse. Am 13. November ging es nach rekordverdächtigen 18 Jahren zu Ende. Das Eisenbahn-Bundesamt genehmigte das Vorhaben der Deutschen Bahn, die Gleise ebenerdig zu verlegen. Einen Tunnel, wie ihn Beck und seine Mitstreiter verlangen, lehnt die Behörde ab.

„Ohne Sinn und Verstand“

Bahn-Anwohner müssten stets mit Ausbaumaßnahmen rechnen, so das Amt. Diese dürften „auch mit nachteiligen Folgen verbunden sein, die im Interesse des Allgemeinwohls hinzunehmen sind“. Die Lärmgrenzwerte würden eingehalten, eine Verschlechterung der Lebensqualität werde es nicht geben. Im Gegenteil: Die Wände mindern auch die S-Bahn-Geräusche, die Lichtenrade heute belasten. Das Amt räumt ein, dass Grundstücke an Wert verlieren könnten. Doch solche Verluste seien „im Hinblick auf die Sozialbindung des Eigentums entschädigungslos hinzunehmen“, hieß es.

„Ohne Sinn und Verstand wird eine Bahntrasse für 680 Züge pro Tag durch ein dicht bebautes Wohngebiet geklotzt“, konterte Beck. „Für die betroffenen 50.000 Menschen ist das bitter“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak. Er sei „persönlich enttäuscht“ vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), weil er die Bürger im Stich lässt – obwohl der Koalitionsvertrag einen Tunnel zusagt.