Zündler-Straftaten: Silvester-Böller - Unberechenbar und verheerend

Berlin - Knapp eine Woche vor dem Jahreswechsel registriert die Polizei immer mehr Straftaten durch Böller. So zündete am Montagabend in Wittenau ein Betrunkener einen illegalen Feuerwerkskörper und griff eine Polizistin an. Gegen 21.20 Uhr hatte eine Funkstreife des örtlichen Polizeiabschnitts 12 in der Rathauspromenade eine vierköpfige Gruppe beobachtet, aus der heraus ein junger Mann einen sogenannten Polenböller zündete.

Als die beiden Beamten den 23-Jährigen überprüften, habe er einen Metallgegenstand beiseite geworfen und sich den Beamten widersetzt, sagte ein Polizeisprecher. Nach Darstellung der Polizei wehrte er sich massiv gegen die Aufnahme seiner Personalien, worauf ihm die Polizisten Handfesseln anlegen wollten. Dabei attackierte er eine Beamtin, konnte aber dann überwältigt und zu Boden gebracht werden. Bei ihm fanden die Polizisten zwei weitere illegale Böller. Bei dem weggeworfenen Metallgegenstand handelte es sich um ein verbotenes Einhandmesser. Eine Atemalkoholmessung ergab bei dem Mann einen Wert von 1,14 Promille. Nach der Aufnahme seiner Personalien ließen ihn die Polizisten wieder laufen. Gegen den 23-Jährigen leiteten die Beamten Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Verstößen gegen das Sprengstoff- und Waffengesetz ein.

Mehrjährige Haftstrafen

Erst am Sonntag hatte in der Kreuzberger Urbanstraße ein Unbekannter einen BSR-Mülleimer gesprengt. Er hatte vermutlich ebenfalls einen Polenböller verwendet. Diese Pyrotechnik ist in Deutschland verboten. Die Böller haben unzuverlässige Zündmechanismen und gelten deshalb als unberechenbar. Zudem sind sie nicht nur mit größeren Mengen Schwarzpulver befüllt als üblich sondern enthalten zum Teil auch Industriesprengstoff. Deshalb wirken sie wesentlich verheerender. Ein solcher Böller hatte am ersten Weihnachtsfeiertag in Potsdam einem 21-Jährigen die Hand abgerissen. Und in Reinickendorf hatten Unbekannte am Heiligabend an einem geparkten BSR-Fahrzeug die Frontscheibe mit einem Polenböller herausgesprengt. Die Polizei leitete in allen Fällen Ermittlungsverfahren wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion ein. Für solche Delikte sieht das Gesetz mehrjährige Haftstrafen vor. Polizei und Feuerwehr warnten am Dienstag erneut vor den gefährlichen Polenböllern. Die Polizeistreifen sind in diesen Tagen angewiesen, verstärkt darauf zu achten, dass nicht vor Silvester geknallt wird. Vor allem in Innenstadtgegenden wie Neukölln und Wedding wird immer wieder illegal mit geschmuggelter Pyrotechnik geballert. "Wir werden Verstöße entsprechend ahnden", sagte eine Polizeisprecherin.

Auch wer mit zugelassener Pyrotechnik knallt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und verstößt gegen die Lärmverordnung, weshalb ihm eine Geldstrafe droht. Denn das Abbrennen von Pyrotechnik mit Knallwirkung ist nur vom 31. Dezember, 18 Uhr, bis zum Neujahrstag, 6 Uhr, erlaubt. Feuerwerk, das nicht knallt, etwa Fontänen, darf am 31. Dezember ab 0 Uhr bis zum Neujahrstag 24 Uhr genutzt werden.

Die Bundespolizei verstärkte ihre Kontrollen ebenfalls, um Schmuggler illegaler Böller von Polen nach Deutschland zu stoppen. So erwischten Beamte kürzlich in einem Zug bei Frankfurt/Oder vier Männer, die tausende Böller nach Berlin bringen wollten.