Am 25. August wird wieder der „Zug der Liebe“ durch Berlins Straßen rollen. Die mittlerweile vierte Tanz- und Techno-Demo wird nach Angaben der Veranstalter die letzte ihrer Art sein. Das hatte man in den Jahren zuvor ähnlich ausgedrückt. Aber diesmal ist man sich sicher.

Denn der gemeinnützige Verein, der seit 2015 ohne Sponsoren den ausgelassenen Marsch für „Toleranz, Nächstenliebe und bürgerliches Engagement“ veranstaltet, hat allein aus dem letzten Jahr ein Defizit von 10.000 Euro zu tragen. Ein Gewitter-Wochenende verhagelte regelrecht den Besuch der After-Partys und die kalkulierte Gewinnzone.

Mit neuer Strecke von Treptow nach Friedrichshain

Der „Social Rave“ erwartet dieses Jahr rund 25.000 Teilnehmer. Auf einer neuen Strecke vom Treptower Park ausgehend wird entlang der Spree nach Kreuzberg gezogen, um über die Frankfurter Allee in Friedrichshain bis zum U-Bahnhof Magdalenenstraße in Lichtenberg zu tanzen. Start der Veranstaltung ist um 13 Uhr am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow. Die Kolonne wird sich gegen 14.30 Uhr in Bewegung setzen, die Schlusskundgebung wird bis 23 Uhr dauern.

Bereits um 21 Uhr beginnen gleich zwei After-Partys in Lichtenberg, und zwar im Polygon Club und im Kulturhaus Kili. Dabei sind viele DJs der elektronischen Musikszene in Berlin. Auf das Promoten des ein oder anderen Acts verzichtet man seitens der Veranstalter ganz bewusst, da man keinen einzelnen Künstler in den Vordergrund stellen möchte: „Es geht uns in erster Linie um die politische Botschaft der Demo, nicht um die Headliner,“ sagt Jens Schwan, Sprecher der Veranstaltung. Details zum Line-up erfährt man auf der Website der Veranstalter.

15 Wagen von Veranstaltungskollektiven und Schirmherren

Der letzte „Zug der Liebe“ wird im Gegensatz zu seinen drei Vorgängern Motto-frei veranstaltet, denn man möchte dieses Mal ganz bewusst die teilnehmenden Vereine in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Die „Reinkarnation der Loveparade“, wie die Veranstaltung immer wieder auch betitelt wurde, war in der Vergangenheit ein viel beachtetes Sprachrohr von NGOs wie SeaWatch, Reporter ohne Grenzen oder auch Mission Lifeline, und auch andere Initiativen wie Moabit hilft oder Tierschutz Berlin brachten sich als Schirmherren der Techno-Trucks ein.

Waren es in den Vorjahren meist 20 Wagen und mehr, sind es in diesem Jahr 15 Trucks mit Veranstaltungskollektiven und darauf präsentierten Vereinen wie AIAS Berlin – Studierende gegen Blutkrebs oder der Berliner Obdachlosenhilfe.

Wenn auch ohne Motto ist die Botschaft des „Zugs der Liebe“ 2018 aber klar: „Wir haben uns auch in diesem Jahr wieder zur Aufgabe gemacht, Toleranz und Menschlichkeit, als wichtige Werte einer liberalen Gesellschaft, wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Um auf unsere Ziele aufmerksam zu machen, gehen wir seit 2015 mit unseren Schirmherren für die Liebe auf die Straße. Dieses gemeinsame Erlebnis soll Menschen begeistern und dazu bewegen, sich sozial zu engagieren.“

Mischfinanzierung aus Crowdfunding, Musicboard und Clubs

Die bisweilen prekäre Finanzierung des „Zugs der Liebe“ wurde in diesem Jahr über eine Crowdfunding Kampagne abgefedert, die 9122 Euro von rund 600 Spendern zusammen brachte. Aufgrund der Nachwuchs- und Frauenförderung bei den DJs der After-Party sowie dem Thema Inklusion bei der Beantragung gab der Senat über das Musicboard weitere 18.000 Euro als Finanzierungshilfe dazu.

Warum das Geld immer wieder ein Problem war, ist mit dem Status der Veranstaltung zu erklären: Als politisch deklariert, darf die Techno-Demo, deren Realisierung Jahr für Jahr rund 120.000 Euro kostete, keinen Gewinn erwirtschaften, das heißt, die Veranstalter dürfen zum Beispiel während des Techno-Zuges keine Getränke oder Snacks verkaufen oder Sponsoren mit an Bord holen.

Mit dem Eintritt von 15 Euro für die zwei After-Partys wird die Basisfinanzierung realisiert, um den Umzug überhaupt zu ermöglichen. Man rechnet mit mindestens 2000 Besuchern, die auf unterschiedlichen Floors die gesamte Bandbreite der elektronischen Musik erleben können: „Das wird eine Riesensache, die ganze Range der Szene wird zu erleben sein, dazu große Außenbereiche zum Open-Air-Chillen und viele Floors mit bestem Sound“, sagt Schwan.

Endstation für den „Zug der Liebe“ 

Warum soll es nun tatsächlich der letzte „Zug der Liebe“ sein? „Wir haben in den letzten Jahren alles gegeben und wie jeder weiß, arbeiten wir alle ehrenamtlich. Das hat zunehmend zu einer gewissen Überlastung geführt und auch zu Spannungen: im Team, mit unseren Partnern, mit unseren Arbeitgebern. Es wäre toll, wenn der Berliner Senat den Zug der Liebe mit zwei, drei festen Stellen unterstützt hätte. Denn was kostet eine feste Stelle, wenn man im Gegenzug dafür eine fertig verpackte Demo geliefert bekommt, die mit ihrer Strahlkraft und ihrem Engagement für eine offene und engagierte Gesellschaft über die Grenzen der Stadt wirkt?“

Auf Nachfrage der Berliner Zeitung, ob man für die angedachten Stellen bei den jeweiligen Behörden mal vorstellig geworden ist, muss Jens Schwan lachen und antwortet: „Nein, das haben wir bisher versäumt. Aber das wäre eine gute Idee gewesen.“