Als Pegida aufmarschierte, reichte es Jens Schwan. Ein Gegengift musste her, eine Demo in Berlin für mehr Toleranz und Menschlichkeit. Gemeinsam mit seinem Freund Martin Hüttmann brachte Schwan 2015 den ersten Zug der Liebe auf die Straße: Mehrere tausend Menschen demonstrierten gegen rechte Umtriebe und für eine menschliche Lösung der Flüchtlingsproblematik. Und da Hüttmann und Schwan wissen, wie der Berliner tickt, wurde die Demo von Musiktrucks begleitet – der Zug der Liebe wurde so aus dem Stand heraus, was die Loveparade nie war: eine politische Veranstaltung mit Musik und ohne kommerzielle Interessen.

Der Zug der Liebe lässt sich nicht so einfach stoppen

2018 sollte dann Schluss sein, mittlerweile war der Zug der Liebe auf mehrere zehntausend Teilnehmer angewachsen und die Organisation wurde zur Belastung für das Team, zu dem noch Felix Hartmann gestoßen war. „Ich arbeite voll, ich habe eine Familie, irgendwann wurde es einfach zu viel“, sagt Schwan, 47 Jahre alt und gebürtiger Berliner, über sein Ehrenamt, das ihn sechs Monate im Jahr beansprucht.

30 Jahre Mauerfall ist das Thema des diesjährigen Zug der Liebe

Hinzu kommt die Finanzierung: Rund 100.000 Euro kostet die Demo, das Geld wird durch eine Charityparty erwirtschaftet. „Das alles ohne Sponsoren und Merchandising, das schlaucht“, so Schwan. Doch der Zug der Liebe lässt sich nicht so einfach stoppen: Bei einem Treffen im Januar kamen so viele freiwillige Helfer, dass man sich entschied, doch weiterzumachen.

Ein Crowdfunding brachte rund 28.000 Euro zusammen, die gröbsten Kosten sind gedeckt und so wird es am 24. August wieder einen Zug der Liebe geben. Start ist um 13 Uhr am Schlesischen Busch. Das Motto: „ 30 Jahre Mauerfall – weg mit neuen Meinungsmauern“.