Alle Jahre wieder: Der Winter macht der S-Bahn zu schaffen – und ihren Reisenden. Auch am Dienstag gab es wieder viele Verspätungen und Ausfälle. Am Morgen waren nach Bahnangaben nur 972 Wagen einsatzbereit, 30 weniger als am Montag – und 152 weniger als vertraglich vereinbart. Für die kommenden Tage machte ein Bahnsprecher den Fahrgästen wenig Hoffnung. „So lange noch Schnee liegt, werden wir Probleme haben“, bedauerte er.

Es begann gleich in der Frühe. Um 4.02 Uhr wurde vom S-Bahnhof Potsdamer Platz ein Schienenbruch gemeldet. Folgen: Tempo 20 und Verspätungen. Gegen 5.30 Uhr legte dann ein schadhafter Zug am Ostkreuz die S 3 lahm. Auch eine Signalstörung am Nöldnerplatz störte den Betrieb. Auf dem Ring lief ebenfalls nicht alles rund. „Dort lag die Schuld jedoch bei Fahrgästen“, hieß es. Gegen 7 Uhr wurde im S-Bahnhof Westend in einem Zug die Türnotöffnung betätigt – mit der Folge, dass er nicht mehr weiterfahren konnte. Am Vormittag trat ein Fahrgast in Neukölln gegen die Tür einer S-Bahn – mit demselben Effekt.

Der schadhafte Zug am Ostkreuz war ein Vertreter der Baureihe 485. „Sie ist in diesem Winter unser großes Sorgenkind. Es gibt Ausfälle in Größenordnungen“, so der Bahnsprecher. Türstörungen häufen sich, zudem dringt feiner Flugschnee in die Motoren und Technikaggregate ein. Am Dienstag waren dem Vernehmen nach von 120 nur 50 Wagen im Einsatz. Der Expertenkreis, der sich bereits in den vergangenen Jahren mit Technikproblemen der S-Bahn befasst hatte, soll nun Lösungen erarbeiten. Doch das werde schwierig, hieß es intern. Es gebe viele verschiedene Störungsursachen.

Immerhin: „So schlimm wie in früheren Wintern ist die Situation nicht mehr“, hieß es. Zum Vergleich: Am 11. März 2011 waren nur 826 S-Bahn-Wagen im Einsatz.

Ein S-Bahner kritisierte die offizielle Begründung. „Die Bahn macht es sich zu einfach, wenn sie alles auf die Fahrzeuge schiebt“, sagte er. „Es ist auch so, dass bei der Baureihe 485 jahrelange Vernachlässigung zum Vorschein kommt.“ Schnee könne deshalb so leicht eindringen, weil die Metallkästen, in denen sich Elektronik befindet, häufig undicht sind.

Zudem seien neue Fahrerkollegen oft nicht ausreichend ausgebildet. „Sie schlagen Alarm, selbst wenn das unnötig ist und das Problem auch später gelöst werden könnte“, so der S-Bahner. Die Baureihe war während der DDR-Spätphase entwickelt worden. „Mit ihr ist es wie mit dem Trabi: Wenn Sie sie nicht richtig kennen, können Sie sie nicht fahren.“