Berlin/Usedom - Es war einmal: der Usedom-Express. Den Direktzug von Berlin auf die Ostseeinsel, den DB Regio in den vergangenen Jahren angeboten hatte, wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. „Ja, das stimmt“, bestätigte eine Bahnsprecherin. Zwar ist es weiterhin möglich, mit der Bahn von Berlin nach Usedom zu reisen – aber fast nur noch mit Umsteigen.

Für diejenigen, die ihn kannten, war der saisonale Zug nach Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck und Swinemünde eine bequeme Alternative zum Auto. Die Brücken über den Bodden sind im Sommer oft zugestaut. Doch der Usedom-Express, der 2013 bis Ende September freitags und sonntags in Berlin abfuhr, hatte zu wenig Fahrgäste. „Er hat sich nicht gerechnet“, so die Bahn. Der Triebwagen verkehrte zusätzlich zu den Regionalzügen, die von den Ländern bestellt, und mit Bundesgeld bezahlt werden. „Den Usedom-Express hat DB Regio eigenwirtschaftlich gefahren“, hieß es. Darum dürfe er nicht dauerhaft rote Zahlen schreiben.

Der Misserfolg könnte aber auch mit den Rahmenbedingungen zu tun haben. Anders als Autofahrer müssen Bahnreisende, die von Berlin nach Usedom wollen, einen Umweg über Züssow in Kauf nehmen. Ein richtiger Express war der Zug deshalb nicht. Eine Fahrt von Berlin ins Seebad Heringsdorf dauerte zum Beispiel mehr als vier Stunden – ganz schön lang für die 250 Kilometer lange Strecke. Mit Tempo konnte der Zug nicht punkten.

Die direkte Strecke gibt es nicht mehr. 1945 sprengte die Wehrmacht die Hubbrücke bei Karnin, danach wurden die Gleise abgebaut – dort waren Züge gefahren, die zum Teil weniger als drei Stunden von Berlin nach Heringsdorf unterwegs waren.

Ostsee-Ticket sechs Euro teurer

„Die direkte Strecke muss wieder aufgebaut werden, sonst ertrinkt die Insel im Autoverkehr“, sagt Herbert Gellhorn, der von der Insel stammt und sich für das Projekt einsetzt – sogar mit Briefen an die Kanzlerin. Laut Bahn wäre Heringsdorf nur noch zweieinhalb Stunden von Berlin entfernt. Doch der Bund, der das Projekt in den Bundesverkehrswegeplan 2015 schreiben müsste, bleibt skeptisch. Er hält anderes für wichtiger.

In dieser Saison wird nun jeweils ein Intercity freitags und sonnabends die einzige Direktverbindung darstellen. Ansonsten müssen die Berliner, die reif für die Insel sind, in Züssow umsteigen. Oder sie nehmen den Fernbus – zum Beispiel den der Usedomer Bäderbahn nach Zinnowitz. Fahrzeit: rund viereinhalb Stunden.

Sonst ändert sich das Bahnangebot an die Ostsee 2014 nicht. Regionalexpresszüge fahren oft nach Wismar, Rostock und Stralsund, der Warnemünde-Express und Fernzüge (etwa nach Binz) kommen hinzu. Das als Angebot beworbene Ostsee-Ticket wird aber teurer: Statt 43 Euro kostet es für die erste Person ab April 49 Euro. Mitfahrer zahlen statt 33 dann 39 Euro. Dafür gilt das Ticket künftig auch im ICE, Bahn-Card-25-Inhaber erhalten Rabatt.