Werneuchen - Es gibt Bahnstrecken, auf denen der Verkehr rollt. Und es gibt Bahnstrecken wie die Regionalbahnlinie RB 25 zwischen Berlin-Ostkreuz und Werneuchen (Barnim). Strecken, auf denen die Fahrgäste nicht sicher gehen können, dass sie pünktlich ans Ziel kommen. „Eine schwierige Linie mit vielen Störungen und Beschwerden“, sagt Detlef Bröcker, Chef der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), die dort im Stundentakt fährt. „Die Fahrgäste sind stinksauer“, klagt Toralf Schöniger, der zwischen Seefeld (Mark) und Berlin oft mit den Triebwagen unterwegs ist. Auf dieser Linie laufe so ziemlich alles falsch, was falsch laufen kann.

„Seit zehneinhalb Jahren bin ich regelmäßig Fahrgast auf dieser Strecke“, sagt Schöniger. Doch jeder Tag bringt neue Ungewissheit: Klappt heute alles – oder gibt es wieder Verspätungen? Der 41-Jährige hat ein professionelles Interesse. Zwar betreibt er ein Tätowierstudio in Köpenick, aber früher war er Ingenieur bei der Bahn. Auf der RB 25, analysiert er, komme vieles zusammen.

Vier Probleme

Problem Nummer eins: Die einstige Wriezener Bahn, die 1898 in Betrieb ging, wurde für einen dünnen Verkehr geplant. „Nicht für einen Stundentakt, wie es ihn jetzt gibt“, so Schöniger. Es gibt nur ein Gleis. Nur auf einem Kilometer am Biesdorfer Kreuz im Osten Berlins sowie im Unterwegsbahnhof Blumberg (Mark) können sich Züge begegnen. Die Folge sind Wartezeiten. Der entgegenkommende Zug muss abgewartet werden, bevor es weitergeht.

Problem Nummer zwei: „Die Strecke ist größtenteils im Originalzustand DDR“, sagt Stammfahrgast Schöniger. Immer wieder müssen die Lokführer bremsen. Es gibt unbeschrankte Bahnübergänge, teilweise gilt Tempo 10 oder Tempo 30. Problem Nummer drei: „Der Fahrplan ist mit spitzem Bleistift gerechnet“, sagt Schöniger. Laut Plan ist nach der Ankunft in Werneuchen gerade mal vier Minuten Zeit um umzukehren. „Wenn ein Zug mit Verspätung ankommt, wird sie auf die nächste Fahrt übertragen.“

Problem Nummer vier: Eigentlich sollen seit Dezember neue Züge vom Typ Pesa Link fahren. Doch die Lieferung aus Polen verspätet sich. Die NEB musste von der Ostseeland Verkehr Ersatz besorgen, der zudem nicht ewig bleiben kann, weil er im April nach Sachsen überführt wird. „Die Triebwagen sind verschlissen“, so Schöniger. Immer wieder bleibe ein Zug mit Motorschaden liegen.

„Ich habe das Gefühl, dass die NEB die Probleme aussitzt“, kritisiert er. Detlef Bröcker weist das zurück. Sicher, Fahrzeugstörungen kämen vor – zuletzt am 5. und 9. Januar. Doch häufiger gäben Signale, Weichen und Übergangssicherungen den Geist auf, und dafür sei DB Netz verantwortlich. „Eine Weiche am Ostkreuz fiel kurz nach der Eröffnung des dortigen Regionalbahnsteigs aus, für mehrere Tage“, klagt Bröcker. Er will mit DB Netz darüber sprechen, wie der Betrieb stabiler werden könnte. „Wir sind nicht glücklich mit dieser Linie.“