Das Versprechen steht: Bis zu 600 Millionen Euro will Siemens in Berlin investieren. Was in Erlangen bereits Realität wird, plant der Konzern auch für die Siemensstadt. An dem traditionsreichen Industriestandort soll ein Campus entstehen, ein Ort zum Arbeiten und Leben, der 70 Hektar mit Leben erfüllt. Aber auch Berlin muss seinen Teil leisten: Damit Siemensstadt 2.0 funktioniert, muss die Verkehrsverbindung besser werden.

Nun laufen die Planungen für eine Reaktivierung der stillgelegten Siemensbahn auf Hochtouren. Alexander Kaczmarek von der Deutschen Bahn berichtet, welche Herausforderungen zu meistern sind. Spätestens 2025 sollen dort wieder S-Bahnen fahren, fordert der Senat. „Ein ehrgeiziges Ziel“, sagt er.

Es geht um ein Verkehrsprojekt, das einen dreistelligen Millionenbetrag kosten wird – und das für das Bundesverkehrsministerium eine hohe Priorität hat. „Es ist nicht hoch genug einzuschätzen, dass sich Siemens für Berlin entschieden hat“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann im Verkehrspolitischen Informationsverein in Berlin. Das Campus-Projekt habe öfter auf der Kippe gestanden, als die Berliner wüssten.

Bund hat Siemens zugesagt, für ein „Top-Angebot“ im Berliner Nahverkehr zu sorgen

„Wir dürfen die Ansiedlung nicht verstolpern“, forderte der CDU-Politiker. Der Bund habe Siemens zugesagt, für ein „Top-Angebot“ im Nahverkehr zu sorgen. „Ich weiß nicht, ob der Senat schon weiß, was da auf ihn zukommt.“ Genau das lässt die Bahn jetzt feststellen. „Die Arbeiten sind voll im Gang“, so Kaczmarek. Ein Projektleiter wurde gefunden, der sie steuert.

Eine Frage lautet: Welche Bauwerke der 4,58 Kilometer langen Strecke Jungfernheide – Gartenfeld ließen sich aufarbeiten? Siemens ließ die Trasse einst auf eigene Kosten für 14 Millionen Reichsmark errichten. 1929 begann der S-Bahn-Betrieb. Als 1980 der Streik der West-Berliner Reichsbahner begann, endete er. So lange herrscht dort schon Ruhe. 

Bei der Bahn zeigt man sich „verhalten optimistisch“, dass nicht alles abgerissen und von Grund auf neu errichtet werden muss. „Die Anlage ruht sich schon fast 40 Jahre aus, so lange wurde sie nicht belastet“, hieß es. Zwar sei sie nur für Tempo 60 ausgelegt worden, heutige S-Bahnen fahren schneller. Doch eine Neutrassierung für mehr Tempo würde so aufwendig, dass wahrscheinlich darauf verzichtet wird. „Außerdem ließe sich bestenfalls eine Minute Fahrzeit sparen“, sagte Kaczmarek. Fazit: „Wir werden bei Tempo 60 bleiben.“ Doch es gibt auch komplizierte Abschnitte, die Festlegungen erfordern.

Verlängerung auf die Westseite der Havel zur Streitstraße in Hakenfelde

So sieht der Berliner Flächennutzungsplan die Möglichkeit vor, die Siemensbahn zu verlängern – auf die Westseite der Havel zur Streitstraße in Hakenfelde. Als Alternative ist eine Fortführung zur Urban Tech Republic, die auf dem heutigen Tegeler Flughafen entsteht, in der Diskussion. Damit ist klar, dass der jetzige Abschnitt nicht wie bisher fast ebenerdig in Gartenfeld enden kann, hieß es. Damit später Straßen und Kanäle gekreuzt werden können, müsste der vorläufige Endpunkt auf einem sieben Meter hohen Damm oder in einem 18 Meter tiefen Tunnel liegen.

Auch am Ring stünden umfangreiche Arbeiten an, sagte Kaczmarek, „Ohne eine zusätzliche Bahnsteigkante im Bahnhof Jungfernheide geht es nicht.“ Dort würden die S-Bahnen aus der Siemensstadt halten, bevor sie zum Hauptbahnhof weiterfahren. Um die Kapazität in Jungfernheide zu erhöhen, sei wohl ein Planfeststellungsverfahren nötig. 

„2019 werden wir viele Entscheidungen treffen“, sagte der Bahn-Manager. „Ob die Wiedereröffnung bis 2025 möglich ist, lässt sich seriös noch nicht sagen.“ Dies hänge vor allem davon ab, was in Jungfernheide passieren muss. So viel steht fest: Dieses Projekt wird „sportlich“.