Das Naturkundemuseum in Berlin.
Foto: imago images/Jürgen Ritter

BerlinDas Museum für Naturkunde (MfN) ist nicht nur äußerst beliebt bei den Berlinern und ihren Gästen. Genau 737.254 Besucher kamen im Jahre 2019 in das Haus mit dem großen Sauriersaal, wie das MfN gerade mitteilte. Zugleich ist der Gebäudekomplex in der Invalidenstraße 42/43 in Mitte dabei, sich zu einem herausragenden Wissenschaftscampus zu entwickeln. Der Berliner Zeitung liegt nun exklusiv der Zukunftsplan vor, der zeigt, wie das Museum in den kommenden zehn Jahren saniert, erweitert und weiterentwickelt werden soll.

Objekte von Humboldt

Insgesamt fließt in den neuen Campus für Natur und Gesellschaft des MfN gemeinsam mit der Humboldt-Universität (HU) die beachtliche Summe von 660 Millionen Euro – jeweils zur Hälfte von Bund und Land. Es soll drei Bauphasen geben. Die erste beginnt jetzt und dauert voraussichtlich bis 2028. Für geschätzte 299 Millionen Euro werden der Museums-Nordflügel und der sogenannte Nordbau saniert.

Auch ein Neubau entsteht. Insgesamt 18 100 Quadratmeter Nutzungsfläche werden erneuert und neu geschaffen. In einer späteren zweiten Bauphase wird der angrenzende Thaer-Bau der HU mit einbezogen. In der dritten geht es unter anderem um ein neues Magazin- und Sammlungsgebäude.

In der ersten Projektphase bis 2028 entstehen neue Labore, Arbeitsplätze, Kommunikations- und Veranstaltungsräume für Forscher des MfN und der HU.
Grafik: BLZ/ GALANTY

Das MfN besitzt eine der weltweit umfassendsten naturhistorischen Sammlungen mit über 30 Millionen Objekten. Sie lagern unter anderem in Kellern und Räumen unter schlechten klimatischen Bedingungen. Dringende Aufgabe ist, sie „lichtgeschützt, klimaadäquat und hygienisch“ unterzubringen. Die Sammlungen wurden seit dem frühen 18. Jahrhundert zusammengetragen, unter anderem auf Expeditionen von Alexander von Humboldt und Charles Darwin.

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Dazu gehören Insekten, Skelette, Vogelpräparate, Felle, Geweihe, Pflanzen, fossile Tiere, Gewebeproben, Gesteine und Meteorite, teilweise aus der Entstehungszeit des Sonnensystems vor gut 4,5 Milliarden Jahren. Um die Objekte weltweit zugänglich zu machen, soll alles digital erschlossen werden – „von der Fliege bis zum Dinosaurier“. Mit einem neuen 3D-Scanner können unter anderem Insekten gründlich und bis aufs kleinste Haar erfasst werden.

„Fenster zur Öffentlichkeit“

In der ersten Projektphase bis 2028 geht es vor allem um die Infrastruktur des geplanten Campus für Natur und Gesellschaft.   Dafür werden die größtenteils maroden Räume des MfN saniert, das als Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung zugleich eine wissenschaftliche Einrichtung ist. Es entstehen neue Labore, Arbeitsplätze, Kommunikations- und Veranstaltungsräume für Forscher des MfN und der HU.

Auf dem neuen Campus sollen Botaniker, Ökologen, Genetiker, Molekularbiologen, Vergleichende Zoologen, Entwicklungs- und Evolutionsforscher, Morphologen, Bioakustiker und Bioinformatiker miteinander arbeiten – in modernsten Einrichtungen. Von 2021 bis 2028 soll dann ein neuer, mehrgeschossiger „Ergänzungsbau Nord“ mit Tiefenmagazin entstehen – als Ersatz für das bestehende Tierhaus für kalt- und warmlebende Tiere. Das Dachgeschoss soll unter anderem als Gewächshaus dienen.

Für Besucher sind neue Ausstellungsräume geplant, „die die Vielfalt der Natur und gleichzeitig die Forschung für Natur zeigen“, wie es aus dem MfN heißt. Auch Räume für Tagungen, Wissenschaftskommunikation und Bürgerforschung sollen entstehen. Über „Fenster zur Öffentlichkeit“ und „Testaufbauten“ wolle man Besucher an den Entwicklungen teilhaben lassen.

Verfünffachung der Fläche

Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs soll dann bis 2021 das neue Gesicht „eines authentischen Museums für Naturkunde“ gefunden werden. Der 1889 eröffnete Museumsbau an der Invalidenstraße soll umgestaltet werden, mit einem offeneren Eingangsbereich, besserer Gastronomie und einer besseren Präsentation der Objekte. Die Ausstellungsfläche werde verfünffacht, heißt es in einer Mitteilung.

Für die Bauarbeiten am Museumsgebäude selbst – voraussichtlich ab 2024 – sei mit einer zeitweiligen Schließung der Ausstellung zu rechnen. Der Zeitraum stehe noch nicht fest, solle aber so kurz wie möglich sein.