Sie hat nicht nur Freunde. Verkehrs- und Stadtplaner erklärten sie zum alten Eisen, aus dem Westen Berlins verschwand sie fast 30 Jahre lang. Doch es gibt sie immer noch, und sie befördert immer mehr Fahrgäste: die Straßenbahn. Im Juni 2015 wird sie 150 Jahre alt. Klaus-Dietrich Matschke, der die Straßenbahn der BVG seit 2004 leitet, verteidigt sie gegen ihre Kritiker.

150 Jahre Straßenbahn – warum ist das ein Grund zum Feiern?

Am 22. Juni 1865 fuhr zum ersten Mal eine Pferdebahn durch Berlin. Es war in dieser Stadt die Geburtsstunde für Verkehrsmittel, die sich auf Schienen durch die Straßen bewegen. Über die Jahrzehnte ist daraus ein leistungsfähiges Verkehrssystem entstanden. Zwar sind wir nicht mehr so groß wie vor dem Zweiten Weltkrieg, damals hatte die Straßenbahn mehr als 600 Streckenkilometer, über 20 Betriebshöfe und mehr als 20.000 Beschäftigte. Doch auch heute, mit 190 Kilometer Strecke, haben wir in Berlin das größte Netz in Deutschland. Und es ist das viertgrößte Straßenbahnnetz der Welt – nach Melbourne, Sofia und Sankt Petersburg.

Autofahrer sagen: Die Straßenbahn macht uns den Platz streitig.

Es gibt viele Städte auf der Welt, die in den vergangenen 25 Jahren neue Straßenbahnsysteme aufgebaut haben. Das ist der Trend weltweit, man spricht von der Renaissance der Straßenbahn. In Berlin sind wir auf 75 Prozent unseres Netzes auf eigenen Bahnkörpern, nicht im Straßenraum unterwegs. Dort machen wir den Autofahrern keinen Platz streitig. Außerdem entlasten wir die Straßen. Unsere größten Flexity-Züge haben 240 Sitz- und Stehplätze, dafür müssten Sie jeweils drei Omnibusse einsetzen. Straßenbahnen sind immer da unschlagbar, wo sie als Hauptverkehrsmittel verkehren und von 5000 bis 10.000 Menschen pro Tag genutzt werden.

Trotzdem hört man: Straßenbahnen machen die Straßen unsicher.

Das sagen vor allem diejenigen, die sich noch nie in eine Straßenbahn gesetzt haben und das Vergnügen hatten, mit so einem schönen Fahrzeug unterwegs zu sein. Nicht nur in Berlin ist die Straßenbahn eines der sichersten Verkehrsmittel. Alles in allem gab es 2014 bei insgesamt 1,177 Millionen Fahrten rund 700 Betriebsvorkommnisse. Die meisten ereigneten sich bei Notbremsungen in der Tram. Und in fast allen Fällen war nicht die Straßenbahn der Verursacher, sondern jemand anders – Lkw-Fahrer, Pkw-Fahrer, Radfahrer, Fußgänger.

Im nächsten Abschnitt lesen Sie unter anderem, wie die Straßenbahn der Zukunft aussehen soll.