Wenn die Kolleginnen und Kollegen der Social-Media-Abteilung die hier erscheinenden Kolumnen auf Twitter verlinken, geht dort manchmal ziemlich die Post ab. Manche Leserin und mancher Leser kommentiert dann recht forsch und offenbart ungewollt auch gerne mal, das Ziel der Kritik – den eigentlichen Text – gar nicht gelesen zu haben. Besonders, wenn ein Text etwa das Auto oder das Fahrrad betrifft, wird die Diskussion schnell ideologisch. Im aktuellen Fall waren die Kommentare zwar wirklich moderat, aber vereinzelt eben doch wieder am Thema vorbei.

Vor einer Woche ging es an dieser Stelle um die Folgen einer Pop-up-Spur, die auf einer Hauptstraße den Radverkehr sicherer machen soll und den Autoverkehr auf zwei Spuren begrenzt. Weil aktuell auch noch eine Baustelle hinzu kommt, muss sich die gleiche Anzahl an Autos, die einst auf drei Spuren fließen konnte, nun auf eine Spur einreihen. Die Folge sind Rückstaus und eilig in die Nebenstraßen ausweichende Autofahrerinnen und Autofahrer. Dort löst die neue Spur also eher nachteilige Effekte aus.

Während die Kolumne auf Twitter mehrfach als Kampfschrift gegen das Auto interpretiert wurde, hat sich die zentrale Aussage des Textes seitdem noch einmal zugespitzt: Die Pop-up-Spur kann, losgelöst von einem Gesamtkonzept, keine sinnvolle, sondern im schlimmsten Fall sogar eine gefährliche Maßnahme sein. Denn ein paar Tage nach dem Schreiben besagter Kolumne wollen ein paar Menschen in Autos dem Stau erneut entgehen und ihn über Nebenstraßen umfahren. Weil sie nicht darauf warten wollen, bis sie die Straßenecke und die nächste Grünphase erreicht haben, scheren sie schon fünfzig Meter davor auf die Pop-up-Spur ein, die sie kurzerhand zur Abbiegerspur umfunktionieren. Sie schrecken nicht davor zurück, Radfahrer aktiv und unmittelbar zu gefährden.

Ein früherer Lehrer pflegte mal zu sagen: Gut gedacht, schlecht gemacht. Grund für das Fazit war meistens, dass etwas nicht weiter oder bis zum Ende gedacht wurde. So klar, dass mittelfristig der Autoverkehr abnehmen muss, um die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu entlasten, so eindeutig ist auch, dass es dafür Anreize und sinnvolle Konzepte braucht. Und – was in unserer liberalen Stadt ungern gehört wird – nachhaltige Kontrolle.