Man kann sich ja in die unglaublichsten Dinge und Wesen verlieben. Ich war schon verliebt in Seen, Lieder, Erdmännchen, Bücher, Häuser, Bilder, Momente und natürlich in Menschen jeden Alters. Aber nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ich mich mal in einen Flughafen verliebe. Zumal als Wahlberlinerin seit über 20 Jahren. Selbst wer selten fliegt wie ich, schafft es in dieser Stadt schwer, sich beim Thema Flughafen die Ungezwungenheit zu bewahren, die es zum Verlieben braucht.

Der Flughafen, in den ich mich verliebt habe, steht in Pisa. Von dort ging es erstmalig zurück aus Umbrien und nach einer langen Fahrt durch die fast so schöne Toskana. Der Flughafen Galileo Galilei trägt zwar den Namen eines Universalgelehrten, sieht aber gar nicht nach Wissenschaft aus, sondern eher, als stünde er in einer Waldstadt, erbaut von Tieren, Kindern und Fabelwesen. Dach und Vordach sind begrünt, so üppig, dass kaum Beton und keine Kanten zu sehen sind. Der Vorplatz besteht zu großen Teilen aus Wiese, mächtige Pinien ragen in den Himmel und Pflanzen aus Terrakotta-Töpfen.

Ich konnte mich nicht sattsehen und das ganze Ensemble erschien mir wie der logische Gruß aus einer Zeit, in der ich ständig staunte über das allgegenwärtige Grün und Bunt in den Straßen. Blumen- und Pflanzentöpfe zieren Fenster, Außenwände, Türschwellen, Verkehrsinseln und Bordsteine. Nun könnte man das als Verklärung abtun, die deutsche Italiensehnsucht halt, die nur Zitronenbäume sieht und nicht die Nöte. Und hat nicht auch Berlin über 400.000 Straßenbäume, Parks ohne Ende, bepflanzte Balkone und Verkehrsinseln? Warum also fehlen mir diese Straßen und Plätze – und von jetzt an auch ein Flughafen – hier so?

Zusammen die Stadt aufräumen und durchfegen

Die Antwort ist: Man sieht sie hier oft kaum. Weil überall Müll und Kippen liegen. Weil zwar immer wieder über mehr Mülleimer, mehr Personal für die Stadtreinigung, Strafen für „Müllsünder“ diskutiert wird, es all das aber gar nicht bräuchte, wenn Mülleimer benutzt würden. Wenn Menschen nicht nur ihr Eigentum pflegten, sondern auch den Raum, in dem wir alle leben: die Stadt.

Vor einiger Zeit schrieb Jens Blankennagel an dieser Stelle darüber, wie er zum Bewässerer der Bäume in seiner Straße wurde. Diesem Beispiel folgend können wir doch alle zusammen mal die Stadt aufräumen und durchfegen, auch wenn den Dreck natürlich immer die anderen gemacht haben. Egal. Wenn wir fertig sind, beschließen wir, der Tütchenpflicht für die Hundehalter folgend, eine – freiwillige – Pflicht für die Raucher, einen Taschenaschenbecher mitzuführen, eine Mülleimernutzungspflicht und die ebenso für alle geltende Konsequenz, Müll eben ein Stück weiter zu tragen oder nach Hause, wenn es keine Entsorgungsmöglichkeit gibt.

Warum wir das tun, ohne Befehl, Strafen, Gesetz? Einfach weil wir wollen. Weil wir alle gerne verliebt sind, ob in einen lauschigen Park, eine blühende Straße, einen besonders hübschen Baum. Und dann begrünen wir Tegel.