Eine neue Marke und ein neuer Bär für das Land Berlin.
Foto: Senatskanzlei

BerlinVergessen Sie „Be Berlin“, künftig heißt es „Wir sind ein Berlin“. Mehr Zusammenhalt, weniger Individualität, so der Hintergedanke des neuen Markenauftritts des Landes Berlin. In Zeiten von Corona und Abstandsregeln ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke – und vielleicht auch ein gelungener Blick ins Berliner Seelenleben, das der Senat vor zwei Jahren im Rahmen einer Studie zu ergründen versuchte. Die Agentur Jung von Matt/Spree entwickelte aus dem daraus abgeleiteten Wunsch der Hauptstädter nach mehr Zusammenhalt und einem stärkeren Wir-Gefühl nicht nur den neuen Claim, sondern auch ein neues Logo.

Und beim ersten Blick schon fällt es auf: Der Berliner Bär, der in Zukunft Internetseiten, Briefpapier und Plakate der Stadt zieren wird, sieht verändert aus. Was heißt verändert: Man hat das Wappentier einer umfangreichen Schönheitsoperation unterzogen. Er hat keine Zunge mehr, ja noch nicht mal mehr richtige Zähne. Auch die roten Krallen sind entfernt worden. Ein richtiger Kuschelbär, mit verschmitztem Lächeln und tapsigem Auftritt. Nicht angreifend, ablehnend, sondern zu Spaß und Spiel aufgelegt.

Früher waren mehr Zähne: der alte Berliner Wappenbär.
Foto: Imago Images

Nun weiß man natürlich, dass auch freundlich auftretende Bären keine Spielgefährten für Menschen, ja nicht einmal für Berliner sind. Man sollte nicht mit ihnen schwimmen, sie nicht füttern oder streicheln. Zahlreiche schmerzhafte bis tödliche Begegnungen von Alaska bis Rumänien zeugen davon. Daher ist das alte Wappen, das in seiner heutigen Form seit 1954 gültig ist, gar nicht so weit weg von der Realität.

Andererseits versteht man natürlich, dass zur Neuerfindung auch neue Bärenbilder gehören. Möchte man sich vom Wappentier nicht ganz verabschieden, bleibt nur die stilistische Anpassung, die im Sinne von Zugewandtheit und Zusammenhalt durchaus Sinn ergeben kann. Wenn man schon in den Clubs der Stadt nicht tanzen kann, dann lassen wir wenigstens den Tanzbär steppen. 

Den Berlinerinnen und Berlinern wird die Kampagne, die ihnen ab dem 12. September auf digitalen und analogen Plakatflächen, im „Berliner Fenster“ der U-Bahn, als Aufkleber und Zeitungsanzeige begegnen wird, vermutlich nur ein müdes Schulterzucken entlocken. Der neue Berliner Bär? Man hört es schon durch die Masken der U-Bahn-Fahrer raunen: „Is ja jut und schön. Aba hat diese Stadt keene anderen Probleme?!“