In allen zwölf Bezirken Berlins wuchs die Zahl der Bewohner.
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BerlinDie Berliner galten noch bis vor zehn Jahren als besonders umzugsfreudig. Rund zehn Prozent der Hauptstädter wechselten 2009 innerhalb der Stadt die Wohnung. Doch das hat sich verändert. Je knapper das Wohnungsangebot wurde, umso weniger Menschen ziehen um.

Nur noch 7,7 Prozent der Berliner wechselten im Jahr 2018 innerhalb der Stadt ihre Wohnung – das entspricht rund 285.000 Umzügen. Verglichen mit dem Jahr 2017 ging die Zahl der Umzüge damit um etwa 12.000 zurück, wie aus dem vor kurzem präsentierten Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor geht. Zahlen zum Umzugsgeschehen im vergangenen Jahr enthält der Bericht zwar nicht, doch liefert er eine Auswertung über die Entwicklung der Umzüge von 2014 bis 2018.

Zentrum ist bei Neuberlinern beliebt

In allen zwölf Bezirken Berlins wuchs danach die Zahl der Bewohner. Wanderungsgewinne sagen Fachleute dazu. Von dem Zuzug nach Berlin profitieren fast alle Bezirke. Nur in Marzahn-Hellersdorf ist der sogenannte Außenwanderungssaldo negativ. Von hier zogen mehr Menschen über die Berliner Stadtgrenze weg als über die Stadtgrenze in den Bezirk kamen.

Ein Trend bleibt beim Zuzug ungebrochen: Neuberliner drängt es vor allem in die Innenstadt. Am meisten profitieren davon die Bezirke Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg. Wer sich ansieht, welche Altersgruppe unter den Zuzüglern besonders stark vertreten ist, der ahnt, warum sich unter ihnen so viele in die City orientieren: Vor allem die 18- bis unter 30-Jährigen kommen in die Stadt. Ein Alter, in dem die meisten lieber im quirligen Zentrum sein wollen.

Grafik: BLZ/Galanty
Quelle: IBB Wohnungsmarktbericht 2019

Anders verhalten sich die länger in Berlin lebenden Menschen. Sie orientieren sich vom Zentrum eher in die Außenbezirke, also dahin, wo es meist grüner und ruhiger ist. Das lässt sich am sogenannten Binnenwanderungssaldo ablesen, der Auskunft über die Umzüge über die Bezirksgrenzen hinweg gibt. Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, aber auch Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln verlieren danach unterm Strich Bewohner an andere Bezirke der Stadt. Am stärksten gewinnen Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg bei Umzügen innerhalb der Stadtgrenzen. Was den Wegzug aus der City erleichtert: Anders als andere Städte, die nur ein Stadtzentrum haben, verfügt Berlin über eine polyzentrale Struktur. Von Spandau bis Hellersdorf, von Lichtenrade bis Frohnau gibt es Ortszentren mit städtischem Leben.

Starke Nachfrage lässt Preise steigen

Die starke Nachfrage nach Wohnungen in der Innenstadt lässt die Preise im Zentrum steigen. Innerhalb des S-Bahnrings wurden freie Wohnungen im vergangenen Jahr laut IBB-Bericht „fast flächendeckend“ zu Kaltmieten von 12 Euro je Quadratmeter und mehr angeboten. „Bei der Binnenwanderung wird der Druck sichtbar, der vom Zuzug von außen typischerweise auf die Innenstadt- und Trendbezirke kommt“, sagt Arnt von Bodelschwingh, der Verfasser des IBB-Wohnungsmarktberichts. „Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln verlieren innerstädtisch an Einwohnern sicher auch, weil die Konkurrenz um den wenigen freien Wohnraum hier viel größer ist“, sagt er.

Grafik: BLZ/Galanty
Quelle: IBB Wohnungsmarktbericht 2019

In den Außenbezirken finden sich dagegen noch häufig preiswertere Wohnungen – vor allem in Spandau, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Dort lag der Anteil von Wohnungen, die für Mieten unter sieben Euro je Quadratmeter angeboten wurden, im vergangenen Jahr zwischen 14 Prozent (Spandau) und 30 Prozent (Lichtenberg).

Einwohnerzahl erreicht Höchststand in Nachkriegszeit

Betrachtet man den Zeitraum von 2009 bis 2018, ist die Einwohnerzahl Berlins laut IBB-Bericht um 11,2 Prozent auf 3,7 Millionen gewachsen. Das ist der höchste Stand in der Nachkriegszeit. An Einwohnern gewonnen haben  in dieser Zeit insbesondere die nordöstlichen Bezirke sowie die Innenstadt. Den höchsten Zuwachs verbucht auch bei dieser Betrachtung der Bezirk Mitte mit einem Plus von 17,2 Prozent. Dahinter folgen Lichtenberg mit plus 15,5 Prozent und der einwohnerstärkste Bezirk Berlins, Pankow, mit einem Plus von 14,8 Prozent. Ebenfalls über dem Berliner Schnitt liegen die Zuwächse in Treptow-Köpenick (13,5 Prozent) und Spandau (12,8 Prozent). Den geringsten Zuwachs verbucht Steglitz-Zehlendorf mit nur 6,3 Prozent.