Über Themen wie Zwangsprostitution oder Menschenhandel spricht die Berliner Politik eher selten. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, will dies offenbar ändern. Im Juli reichte er eine schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus ein, in der er genau wissen wollte, wie viele Fälle von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung es seit 2008 bis heute in Berlin gegeben hat. In einer knapp 20 Seiten langen Antwort legt die Innenverwaltung nun zum ersten Mal umfangreiche Zahlen zu bekannten Fällen und erfassten Opfern vor.

Immer wieder Kinder Opfer von Zwangsprostitution

Die Statistik zeigt, dass es nach 140 registrierten Fällen von Menschenhandel im Jahr 2009 einen konstanten Rückgang gibt. So bewegten sich die Zahlen von bekannt gewordenen Fällen zwischen 2010 und 2015 stets im zweistelligen Bereich. Im Jahr 2016 stieg die Zahl wieder auf 110 Fälle. Letztes Jahr waren es insgesamt 104. Besonders erschreckend: Zu den Opfern gehören auch immer wieder Kinder (bis 14 Jahre), Jugendliche (bis 18 Jahre) und Heranwachsende (bis 21 Jahre). Insbesondere männliche Jugendliche sind regelmäßig betroffen.

Die Verfasser gehen jedoch davon aus, dass die eigentliche Zahl derartiger Delikte deutlich höher sein könnte: „Es ist feststellbar, dass Vernehmungen Widersprüche oder Lücken enthalten, die durch die Angst der Opfer zu erklären sein könnte“, schreibt die Innenverwaltung in ihrer Antwort. (BLZ)