Berlin - Zwangsversteigerung unter Polizeischutz: Das Amtsgericht Mitte in der Littenstraße ist am Donnerstag nur über weiträumig aufgestellte Absperrgitter zu erreichen. Überall stehen Mannschaftswagen. Mindestens 150 Polizisten in Uniform – in den umliegenden Straßen, den Gerichtsgängen und auf dem Innenhof – geben acht, dass bei der Versteigerung der beiden Wagenburg-Grundstücke an der Köpenicker Straße in Mitte nichts aus dem Ruder läuft.

Dabei haben die Anhänger des Anarcho-Projektes Köpi137 kaum 80 Sympathisanten mobilisiert. Fünf von ihnen werfen im Gerichtssaal Konfetti mit der Aufschrift „Köpi bleibt Risikokapital“ und gehen wieder.

Bereits 1990 haben Aktivisten der linken Szene das Areal in der Köpenicker Straße 133 bis 138 in Beschlag genommen. Sie wollen die Grundstücke unbedingt behalten. In der Vergangenheit gab es immer wieder Auseinandersetzungen um das Projekt – auch gewalttätige. Am Donnerstag bleibt der Protest friedlich. Und auch so haben die Aktivisten eine ganze Menge erreicht: Normalerweise werden Baugrundstücke in exponierter Innenstadtlage zu Höchstpreisen gehandelt.

Aber am Donnerstag wird nur für eines der beiden angebotenen, je knapp 1000 Quadratmeter großen Grundstücke unweit der Spree überhaupt geboten. Und am Ende geht die Köpenicker Straße 133 für nur 405 000 Euro wieder an den bisherigen Eigentümer. Der vom Gericht ermittelte Verkehrswert liegt weitaus höher: bei 520.000 Euro.

Bislang gehört das Autonomenareal der Novum Köpenicker Straße 133-138 GmbH & Co. KG. Die wird von dem Berliner Anwalt Friedrich Spek vertreten. Und Spek ist es am Donnerstag auch, der im Saal 208 des Amtsgerichtes schließlich den Zuschlag erhält. Zunächst hat ein externer Interessent das Mindestgebot von 261.000 Euro abgegeben.

Es ist ein Berliner Unternehmer, der von sich sagt: „Ich würde dort ein ganz normales Mietshaus bauen. Ohne Luxus, ohne alles.“ Als die 400.000-Euro-Grenze überschritten wird, steigt er aus. Friedrich Spek bietet im Auftrag der Startezia GmbH mit Sitz in Moers. Laut Bundesanzeiger ist diese Gesellschaft mit der Novum Köpenicker Straße verwoben und hat auch denselben Geschäftsführer.

„Ich hoffe, die ist solventer“, entfährt es dem anwesenden Vertreter der Commerzbank, die nach eigenen Angaben bis heute auf die Kaufpreiszahlung aus der ersten Zwangsversteigerung der Grundstücke im Jahr 2007 wartet. Beim Amtsgericht beantragt wurde die aktuelle Versteigerung nach Bank-Angaben vom Finanzamt Mitte, dem die Eigentümer-Gesellschaft Grundsteuer-Zahlungen von rund 25.000 Euro schuldig sein soll. Hinter den Gesellschaften soll ein Immobilienhändler mit Sitz am Kurfürstendamm stehen, gegen den die Staatsanwaltschaft bereits 2007 ein Betrugsverfahren einleitete.

Rechtsanwalt Spek ist um eine „kooperative Lösung“ mit den linksautonomen Nutzern bemüht. Damit meint er, dass das in einem verfallenen Gründerzeitbau residierende Kulturzentrum Köpi137 ein dauerhaftes Nutzungsrecht erhalten soll und dafür die Wagenburggrundstücke für eine Bebauung freigegeben werden. Solche Pläne sind schon in einem mit dem Anwalt der Nutzer ausgehandelten, dem Amtsgericht vorliegenden „Letter of Intent“ 2008 formuliert. Der aber wurde nie unterzeichnet. Und bei den Köpi-Aktivisten heißt es derzeit, man lasse sich nicht auseinanderdividieren.