Das Dienstwappen der Polizei Berlin (Symbolbild).
Foto: dpa/Paul Zinken

BerlinWegen Corona-Verdachts müssen rund 60 Beamte einer Einsatzhundertschaft der Polizei  in Quarantäne. Vorausgegangen war nach Informationen der Berliner Zeitung eine Auseinandersetzung in einem Flüchtlingsheim am Brebacher Weg in Biesdorf. Die von der Volkssolidatität betriebene Erstaufnahmeeinrichtung steht wegen Corona-Infektionen seit einer Woche unter Quarantäne.

Am Montagabend hatten Bewohner einen Handtuchspender angezündet. Die Feuerwehr belüftete das Gebäude, das alle 270 Bewohner während des Einsatzes verlassen mussten. Um zu verhindern, dass sich die unter Quarantäne stehenden Bewohner entfernen, umstellten Polizisten der 31. Einsatzhundertschaft das Gelände. Dabei wurden Polizisten durch einige Bewohner beleidigt und bespuckt. Die Polizei forderte Verstärkung an. Während des Einsatzes trugen die Beamten Infektionsschutzmasken der Klassen FFP2 und FFP3.

Als sich die Lage beruhigte, gingen die Bewohner in das Haus zurück. Dabei bewarf ein unbekannt gebliebener Bewohner von einem Fenster aus die Polizisten mit einer Glasflasche. Nachdem die Polizei abgerückt war, gab es kurz nach Mitternacht den nächsten Alarm: Im 5. Stock hatte jemand in den Sanitäranlagen Feuer gelegt, der Brandmelder löste aus. Die Feuerwehr belüftete das Gebäude erneut, die Bewohner mussten wieder vor die Tür.  Die Polizisten setzten ihre Schutzmasken zum zweiten Mal auf.

Gewerkschaft der Polizei kritisiert mangelnde Schutzausstattung

Es stellte sich heraus, dass zwei Züge der 31. Hundertschaft unmittelbaren Kontakt zu einer Bewohnerin mit starken Erkrankungssymptomen hatten. Die Frau wurde in ein Krankenhaus gebracht. Zudem hatten die Polizisten offenbar die empfohlene Tragedauer der Masken von zwei Stunden überschritten. Die Amtsärztin des Bezirks Marzahn-Hellersdorf ordnete für die rund 60 Beamten sofortige Quarantäne an.

„Wir würden gern wissen, welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden, um derartige Einsatzverläufe in Zukunft zu verhindern“, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, der die mangelnde Ausstattung mit Masken kritisiert. „Wir verlieren bei einem Einsatz mehr als eine halbe Hundertschaft, weil eben nicht alle so ausgestattet sind, wie es notwendig ist. Wenn wir handlungsfähig bleiben wollen, bedarf es zeitnah Lösungen. Das Coronavirus wird nicht warten, bis all unsere Kollegen mal versorgt sind.“ Die Polizeipressestelle wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern. 

Familien durften in eine andere Unterkunft umziehen

Seit Beginn der Quarantäne hatten Bewohner des Heims wiederholt Feuer gelegt, um die Brandmeldeanlage auszulösen. Nach Angaben von Heimmitarbeitern handelt es sich bei den Rädelsführern um sechs moldawische Familien, die wiederholt deutlich machten, sich nicht an die Quarantäneauflagen halten zu wollen. Sie hätten angekündigt, weiterhin entsprechende Aktionen durchzuführen, wenn sie nicht in eine andere Unterkunft verlegt würden. 

Ein Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales nannte den Vorfall in der Flüchtlingsunterkunft ein zutiefst bedauerliches Ereignis. „Wir wünschen allen betroffenen Menschen eine schnelle Rückkehr in den Dienst.“ Das Landesamt für Flüchtlinge sei zurzeit dabei, zusammen mit dem Betreiber der Einrichtung und dem bezirklichen Gesundheitsamt weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Situation voranzutreiben.

Die Familien hatten mit ihren Feuer-Aktion Erfolg: Sie durften am Dienstag in eine andere Unterkunft umziehen.