Berlin - Zwei Jahre nach dem aufsehenerregenden Mord an dem 22-jährigen Burak B. hat die Berliner Kriminalpolizei weiter keine Hinweise auf den Täter. «Wir konnten bisher leider mit unseren Bemühungen keine Verdächtigen ermitteln und genauso wenig ein Motiv», sagte der Leiter der 6. Mordkommission, Bernhard Jaß, der Nachrichtenagentur dpa. «Bislang ist das ein unerklärliches Geschehen, etwas sehr Ungewöhnliches.»

Burak B. war in der Nacht zum 5. April 2012 in Neukölln erschossen worden. Ein Unbekannter hatte auf der Straße das Feuer auf eine Gruppe von fünf jungen Männern eröffnet. Burak starb kurz darauf an den Schussverletzungen, zwei andere Männer wurden lebensgefährlich verletzt. Der Kripo-Ermittler Jaß sprach von einer Tat, die nur Sekunden dauerte: «Der Täter trat auf die Gruppe zu, sagte nichts, schoss einige Mal und verschwand wieder.»

Eine Initiative von Verwandten, Freunden und Bekannten des Getöteten fordert seit damals, dass «aufgrund der vorliegenden Hinweise gezielt in Richtung eines rassistischen oder neonazistischen Verbrechens ermittelt wird».

Jaß betonte, die Kripo sei natürlich auch dem Verdacht eines rechtsextremen Hintergrundes nachgegangen. «Aber wir haben nichts gefunden.» Man habe Verständnis für die Trauer der Angehörigen und deren Suche nach einem Motiv. «Das muss man besonders im Nachklang der NSU-Morde sehen.»

Die Polizei habe sich mit der Familie getroffen und den Fall dargestellt. «Aber wir kennen das Motiv nicht», sagte Jaß. «Es gibt keine Hinweise, es ist völlig offen. Wir können allerdings auch nichts ausschließen.»

Im Umfeld der Opfer sei ebenfalls nichts festgestellt worden, das auf eine Beziehungstat hindeute. Die Überlebenden der Tat hätten nichts Relevantes in Bezug auf den Täter erkannt; ebenso wenig die Zeugen unter den Anwohnern, erklärte Jaß. Spuren seien kaum gefunden worden. «Möglicherweise fühlte sich auch jemand von der Gruppe der jungen Männer, die sich nachts auf der Straße unterhielt, gestört und reagierte im Affekt mit Gewalt.» Aber auch in diese Richtung habe die Polizei in der Umgebung ohne Erfolg gesucht.

Die Mordkommission werde weiter ermitteln, betonte der Fahnder. In größeren Abständen würden weiterhin Hinweise eingehen. «Auch innerhalb der Polizei, besonders bei den Kollegen in Neukölln, ist der Mord noch ein Thema.»

An diesem Samstag wollen wieder einige hundert Menschen mit einem Trauermarsch an das Opfer erinnern. Die Demonstration beginnt um 14.00 Uhr am S- und U-Bahnhof Neukölln. (dpa/bb)