Berlin - Ursprünglich sollte es schon 2007 so weit sein. Zuletzt war von 2026 die Rede. Doch die Berliner im Einzugsgebiet des Köpenicker Bahnhofs müssen sich noch weitere Zeit gedulden, bis dort außer S-Bahnen auch Regionalzüge halten. Der Regionalbahnsteig in Köpenick soll 2027 fertig sein. Das teilte Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) auf Anfrage des Abgeordneten Robert Schaddach mit.

Der Regionalbahnhof Köpenick gehört zu dem auf 724 Millionen Euro taxierten Großprojekt der Bahn, die Strecke von Berlin zur polnischen Grenze bei Frankfurt/Oder auszubauen. Doch das Bundesunternehmen stand dem Vorhaben lange skeptisch gegenüber. Zusätzliche Stopps würden die Regionalzüge ausbremsen, hieß es. Zudem stünden die Züge dem dichten Güterverkehr von und nach Polen im Wege. Auch als Berlin die Übernahme der Baukosten zusagte, ging es kaum voran. Nun nimmt das Vorhaben Fahrt auf. Die Züge der Regionalexpresslinie RE1, die Köpenick derzeit zweimal pro Stunde und Richtung durchfahren, werden künftig dort halten – während der Hauptverkehrszeit sogar alle 20 Minuten. Die Strecke verbindet Magdeburg, Potsdam, Berlin und Frankfurt/Oder. Für den Güterverkehr entsteht ein drittes Fernbahngleis.

S-Bahn-Fahrgäste müssen auf der S3 erneut mit Sperrungen rechnen

Auch der 1. FC Union befürwortet das Vorhaben. Laut Senat ist es ein wichtiger Bestandteil des Verkehrskonzepts für das Stadion Alte Försterei, das ausgebaut werden soll. „Der Veranstaltungsverkehr ist bis zu einer Reisendenzahl von 10.000 Personen/Stunde bei der Bemessung der jeweiligen Zugänge berücksichtigt“, heißt es in dem Erläuterungsbericht zum Ausbau der Bahnstrecke in Richtung Polen. Kommen mehr Reisende, seien zusätzliche Ordner und Lautsprecherdurchsagen erforderlich.

Die Regionalzüge halten künftig neben dem S-Bahnsteig in Köpenick, dessen Lage unverändert bleibt. Zwischen den durchgehenden Hauptgleisen entsteht ein Bahnsteig für sie. Er ist 220 Meter lang, 76 Zentimeter hoch und wird auf 40 Meter Länge überdacht. Zwei Treppen und ein Aufzug führen vom Empfangsgebäude des Bahnhofs zu dem Regionalbahnsteig hinauf. Östlich entsteht eine Personenunterführung mit Treppen zum S- und Regionalbahnsteig. Zumindest der S-Bahnsteig bekommt auch einen Zugang, der westlich der Bahnhofstraße beginnt.

Der Umbau des Bahnhofs betrifft einen drei Kilometer langen Abschnitt. Die bestehenden Trassen für die S- und Fernbahn werden zwischen den Brücken über die Bahnhof- und Hämmerlingstraße nach Norden verschoben. Der Planfeststellungsbeschluss wird bis März 2022 erwartet, so Streese. Die Arbeiten sollen im März 2023 mit der Verschwenkung der S-Bahngleise beginnen. Fahrgäste der S3 und des RE1 müssen sich also auch in Zukunft auf Sperrungen einstellen.