Ein Monat Berlin: Fleisch, das mich zur Veganerin macht, und überall Bargeld

Wenn man scharfes Essen bestellt, sollte man auch nicht zu viel erwarten, beim Zahlen Scheine bereithalten. Unsere Autorin kommt aus Botswana und wundert sich.

Berliner Currywurst? Nicht scharf genug für unsere Autorin.
Berliner Currywurst? Nicht scharf genug für unsere Autorin.Imago/PantherMedia

Kalt, düster und noch kälter – Berlin, kann ich bitte mit dem Manager sprechen? Während ich das denke, bekomme ich Neidbekundungen von meiner Familie und meinen Freunden, dass sie lieber hier wären und die Kälte und Berlin genießen würden. Die aktuelle Hitzewelle in Botswana hat sie im Würgegriff. Ich bin vor einem Monat mit einem Journalisten-Austausch nach Berlin gekommen. Eigentlich sollte die Reise schon im Sommer stattfinden. Aber dann wurde sie in den Herbst verschoben.

Meine Freundin Tebo ist genervt, wenn ich ihr immer wieder erzähle, wie kalt es hier ist: „Ignoriere die Kälte und genieße Berlin, geh in all die Bars und probiere verschiedene Biere“, sagt sie. Also habe ich ihren Rat befolgt und bin in eine Kneipe gegangen. Ich weiß nicht, ob meine strenge christliche Mutter stolz darauf wäre, aber ich habe auch „Gesundheit“ sagen gelernt, ich hoffe, es bedeutet „Bless your heart“.

Es ist mir unangenehm, aber ich muss gestehen, dass ich das Sprachenlernen als eines meiner Hobbys wohl aufgeben werde. Deutsch zu lernen ist wirklich nichts für schwache Nerven. Alles hat im Deutschen ein Geschlecht, sogar die Lampe! Das Alter rückwärts zu sagen hilft auch nicht. Neun-und-zwanzig? Auch Zeitangaben verwirren mich.

Ich habe einen kleinen Vorteil beim Lernen, weil einige Wörter dem Afrikaans ähneln, das ich schon ein bisschen kenne. Die Wochentage sind im Afrikaans und im Deutschen fast gleich, sie unterscheiden sich nur in der Aussprache, sodass mein verwirrtes Gesicht jedes Mal aufleuchtete, wenn ich ein fast afrikaanses Wort hörte. Noch aufgeregter war ich, als ich erfuhr, dass eine Katze auf Deutsch Katze heißt, während sie in meiner Muttersprache Setswana Katse heißt.

Wenn sogar Chili nicht scharf genug ist

Am wichtigsten ist es zu wissen, wie man Essen bestellt. Ich möchte nur erwähnen, dass die Angabe „scharf“ auf einer Speisekarte hier mild bedeutet. Das Essen ist kein bisschen scharf. Ich habe sogar Chili in einem Berliner Supermarkt gekauft, und es hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Kurze Frage: Exportiert Botswana immer noch Rindfleisch hierher? Das Fleisch in Berlin hat mich schneller zur Veganerin gemacht, als ich dachte. Ich dachte, ich wäre erst in meinen Dreißigern so weit, aber Berlin hat mich dazu gebracht, schneller umzusteigen.

Überaus überrascht hat mich auch, dass in Berlin immer noch viel mit Bargeld bezahlt wird. Ich fühle mich immer unsicher, wenn ich mit einer Zwei-Euro-Münze bezahle, denn in Botswana wären zwei Euro umgerechnet ein Schein und ein paar Münzen. Ich rechne auch alles sofort von Euro in Pula um, die Währung in Botswana. Deshalb habe ich immer noch die gleiche Frisur wie vor einem Monat, als ich in Berlin ankam.

Ich trage Zöpfe, die vom Friseur geflochten wurden. Konnte mir einfach nicht vorstellen, 80 Euro für eine neue Frisur zu bezahlen. Das wäre der Preis in Berlin. Für 80 Euro kann ich in Botswana meine Frisur fünfmal wechseln! So viel kann ich einfach nicht ausgeben, also habe ich mich mit Hüten, Kappen und Mützen eingedeckt. Weil es in Berlin so kalt ist, schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Macht’s gut, und danke für... das Brot

Wenn ich meine bisherigen Berlin-Erfahrungen beschreiben müsste, wären das in keiner besonderen Reihenfolge diese Worte: Brot, Bier, Wasser mit Kohlensäure, Primark, Brandenburger Tor wegen des kenianischen Marathonläufers Eliud Kipchoge, der hier seinen Weltrekord feierte, und Kneipen. Meine Lieblingsredewendungen sind bisher „genau“, „bis morgen“, „noch mal“, „danke schön“ und „tschüss“. Das Letzte klingt so so liebevoll, dass man einfach weich werden muss, wenn man es hört.

Ich bleibe noch einen Monat, um zu sehen, was in Berlin als Nächstes ansteht. Ein Lichterfest, habe ich gehört. Und mögliche Stromausfälle in Vorbereitung auf Halloween vielleicht.

Ononofile Lonkokile lebt und arbeitet in Gaborone, der Hauptstadt von Botswana. Sie ist im Rahmen des IJP-Stipendiums Austausch-Journalistin bei der Berliner Zeitung.