André N. steht wegen Mordes vor Gericht. Er soll seine Lebensgefährtin erstickt und die Leiche in Adlershof vergraben haben.
Pressefoto: Olaf Wagner

BerlinZunächst schien es, als hätte Katrin R. am Morgen des 16. März dieses Jahres gegen 5.45 Uhr ihr Haus an der Straße Am Kanal in Adlershof verlassen, um mit ihrem Fahrrad zum Bahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Arbeit nach Steglitz zu fahren. Doch im Auguste Viktoria-Klinikum kam die OP-Schwester nie an.

Seit Donnerstag muss sich André N. vor einer Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts verantworten. Er soll seine langjährige Lebensgefährtin in der Nacht zum 16. März im gemeinsamen Haus in Adlershof ermordet und die Leiche dann auf einer Brache vergraben haben. An diesem ersten Verhandlungstag schweigt der 37 Jahre alte Mann - er will nach Angaben seines Anwalts am nächsten Verhandlungstag im Oktober zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

In jener Tatnacht soll der Angeklagte, der als Programmierer bei einer IT-Firma arbeitet, bei einem Streit im Obergeschoss des gemeinsamen Hauses seiner Lebensgefährtin von hinten den Arm um den Hals gelegt und fest zugedrückt haben. Dabei habe er den Tod der Frau billigend in Kauf genommen, sagt die Staatsanwältin Silke van Sweringen in ihrer Anklage.

Nachdem Katrin R. bewusstlos zu Boden gesackt sei, habe André N. erkannt, dass seine Lebensgefährtin noch lebt. Die Frau habe geröchelt, heißt es. Dem Angeklagten sei bewusst geworden, dass sie ihn wegen der Tat anzeigen und er inhaftiert werden könnte. Zudem hatte er wohl auch Angst, die beiden gemeinsamen Söhne, vier und acht Jahre alt, zu verlieren. „Was er verhindern wollte“, sagt die Staatsanwältin.

Darum soll André N. einen folgenschweren Entschluss gefasst haben, um die Tat zu verdecken. Nach den Worten der Staatsanwältin holte André N. eine Rolle Klebeband aus dem Flur  und verklebte der bewusstlosen Frau damit in Tötungsabsicht den Mund und die Nase. Dann zog er laut Anklage Katrin R. einen Plastiksack über den Kopf, den er am Hals fest mit dem Klebeband umwickelte. Silke van Sweringen sagt, die Frau sei, wie durch den Angeschuldigten beabsichtigt, erstickt.

André N. soll nach der Tat die Leiche seiner Frau in den Kofferraum seines Autos gepackt haben und diese auf einer Brache an der Wagner-Régeny-Straße, die zur Wissenschaftsstadt in Adlershof gehört, vergraben haben. Offenbar gibt es von der Tatnacht eine Videoaufzeichnung aus der Wohngegend des Angeklagten, die ihn am Auto zeigt. Näheres wurde am Donnerstag noch nicht bekannt.

Auf der Anklagebank sitzt ein schlanker Mann, der über dem T-Shirt eine Kapuzenjacke trägt. Er hält den Blick gesenkt, schaut nicht einmal zu der Mutter und der Schwester der getöteten Katrin R., die ihm gegenübersitzen. Beflissen steht er auf, wenn ihm der Vorsitzende Richter Matthias Schertz eine Frage stellt. Bekannte sollen André N. als sehr ruhiger Mann, seine Lebensgefährtin als den dominanten Teil in der Beziehung beschrieben haben.

Katrin R. und André N. lernten sich vor zehn Jahren kennen, sie gründeten eine Familie und waren offenbar gerade dabei, gemeinsam ihr Haus auszubauen. Dabei soll es immer wieder zu Streitigkeiten gekommen sein. Offenbar fühlte sich André N. von seiner Partnerin unter Druck gesetzt. Es heißt, er habe mehr Zeit für sich gewollt. Auch in der Tatnacht kam es wohl zu einer Auseinandersetzung, die für die Krankenschwester tödlich endete.

Die Frau galt zunächst als vermisst. Ihre Angehörige waren zur Polizei gegangen, als die zweifache Mutter nicht mehr zu erreichen war. Am 19. März ging die Polizei an die Öffentlichkeit und veröffentlichte eine Suchmeldung mit Foto von Katrin R. In der Nähe des Wohnortes des Paares wurden Plakate verteilt. Die Angaben darauf stützten sich auf die Aussage von André N. Er konnte scheinbar genau beschreiben, was Katrin R. am Morgen des 16. März für Kleidung getragen hatte. Auch der Rucksack und das Fahrrad der 34-Jährigen waren genau beschrieben.

Schon einen Tag später wurde aus dem Vermisstenfall eine Morduntersuchung. Die Polizei nahm den Informatiker wegen des dringenden Tatverdachts, seine Lebensgefährtin getötet zu haben, fest. André N. führte die Ermittler schließlich zu dem Ort, an dem er die Leiche seiner getöteten Lebensgefährtin vergraben hatte. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen Mordes. Seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Für das Verfahren hat die Schwurgerichtskammer insgesamt acht Verhandlungstage terminiert. Die Mutter und die Schwester von Katrin R. sind in dem Verfahren ebenso Nebenkläger wie die gemeinsamen Söhne der Frau und des Angeklagten.