Das Schulessen für Grundschüler soll gesünder und hochwertiger werden. 
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BerlinBio, fair gehandelt, saisonal, wenn möglich auch regional: Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat am Freitag die neue Musterausschreibung für das Schulessen in der Primarstufe vorgestellt. Darin: Kriterien, die Cateringfirmen erfüllen müssen, wenn sie Berliner Grundschulkinder verpflegen wollen.

Wie die Berliner Zeitung bereits im Dezember berichtete, steigt der Bio-Anteil   der verarbeiteten Lebensmittel in den Grundschulmensen ab kommendem August von 15 auf 30 Prozent. Ab 1. August 2021 muss das Schulessen, das außerdem seit dem laufenden Schuljahr für alle Schülerinnen und Schüler der Grundschulen kostenlos ist, dann zu 50 Prozent aus Produkten aus ökologischem Anbau bestehen.

Der ausgeschriebene Festpreis pro Portion steigt denn auch kräftig an: von aktuell 3,25 Euro auf 4,09 Euro ab August 2020 und 4,36 Euro ab August 2021. Rund zwölf  Millionen Euro zusätzlich lässt sich die Bildungsverwaltung die Qualitätserhöhung in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt kosten. Hinzu kommen zusätzlich rund 34 Millionen Euro für den erhöhten Vergabemindestlohn des Landes Berlins: Statt wie bisher 9,35 Euro müssen Caterer, die Aufträge von der öffentlichen Hand annehmen, ihren Angestellten, die an Herstellung, Auslieferung und Ausgabe des Schulessens beteiligt sind, nämlich 12,50 Euro pro Stunde zahlen.

Die neue Musterausschreibung, von Scheeres stolz als „bundesweit wegweisend“ präsentiert, geht nun ins Detail: So müssen bereits ab dem kommenden Schuljahr alle Stärkebeilagen, also Kartoffeln, Nudeln, und Reis, bio sein. Der Reis muss darüber hinaus auch nachweislich aus fairem Handel stammen, genau so wie Bananen und Ananas. Ab 2021 sollen außerdem Milch, Milchprodukte und Obst ausschließlich aus ökologischer Herstellung stammen.

Standardmäßig sollen Caterer in Zukunft täglich nur zwei Menüs anbieten: ein klassisches mit Fleisch- und Fischprodukten und ein vegetarisches. Die Qualitätskontrollstelle Schulessen habe festgestellt, dass das Anbieten von drei Menüs oft zu schlechterer Essensqualität geführt habe, so Ines Rackow, eine Mitarbeiterin der Bildungsverwaltung. Dafür müssen Caterer in Zukunft für Kinder mit nachgewiesenen Krankheiten oder Allergien für sie verträgliche, vollwertige Sondermenüs liefern. Neu außerdem: Wasserspender, die die Berliner Wasserbetriebe an jeder Schule aufstellen sollen und die von den Caterern angemietet werden müssen.

Elternvertreter Norman Heise sagte am Freitag, er sei „hochzufrieden“ mit den neuen Kriterien. Eine weitere Neuerung allerdings bringt die Caterer auf die Barrikaden: Während bisher die Schulen die benötigten Portionen selbst kalkulierten und bestellten, sollen in Zukunft nur die tatsächlich abgeholten Portionen auch bezahlt werden. Mit einem neuen Chip-System, das jede abgeholte Portion zählt, wolle man „Lebensmittelabfälle reduzieren“, so die Schulverwaltung – also im Klartext die Caterer zu besserer Planung animieren.

Wir wollen auch kein Essen wegwerfen. Es ist nicht einzusehen, dass nicht abgeholte Portionen plötzlich unser Risiko sein sollen, wenn wir gleichzeitig bei jeder Portion zu wenig vertragsbrüchig werden.“

Rolf Hoppe, Verband der deutschen Schul- und Kitacaterer

„Unzumutbar“ nannte Rolf Hoppe vom Verband der deutschen Schul- und Kitacaterer die Neuerung am Freitag. Die neuen Preise seien äußerst knapp kalkuliert und enthielten keinerlei Sicherheitsmarge für die Caterer. Hoppe fordert die Beibehaltung des bisherigen Systems: „Was bestellt wird, wird auch bezahlt. Wir wollen auch kein Essen wegwerfen. Es ist nicht einzusehen, dass nicht abgeholte Portionen plötzlich unser Risiko sein sollen, wenn wir gleichzeitig bei jeder gelieferten Portion zu wenig vertragsbrüchig werden.“

Die Bildungsgewerkschaft GEW wiederholte ihre Kritik am kostenlosen Schulessen: Das sei zwar grundsätzlich lobenswert, aber überstürzt eingeführt worden und habe an Berliner Schulen zu „untragbaren Zuständen“ geführt. „Wir befürchten, dass bei der Präsentation von mehr Bio und Fair Trade die großen Baustellen beim beitragsfreien Schulessen nicht beleuchtet werden. Die Kollegen brauchen mehr Personal, geeignete Räume, Lärmschutz!“

Scheeres verwies am Freitag auf ihr mit 24 Millionen Euro bestücktes Mensenumbauprogramm, das zumindest den baulichen Problemen an den Schulen Abhilfe schaffen soll. „Natürlich ruckelt es an der einen oder anderen Stelle“, sagte sie. Der Andrang auf das beitragsfreie Schulessen zeige aber, dass die Einführung insgesamt richtig gewesen sei.