Berlin - Heinz-Jürgen Korte und seine Lebensgefährtin Regina Schönfeld sind entnervt. Eigentlich sollten sie ihre schimmelbelastete Wohnung in der Trettachzeile 15 in Reinickendorf, dem alten Wasserwerk Tegel, nur für 14 Wochen verlassen, damit ihre Unterkunft saniert werden kann. Das war im August 2018. Doch mittlerweile sind mehr als zweieinhalb Jahre vergangen und eine Rückkehr in die alte Wohnung ist noch immer nicht in Sicht. Für Heinz-Jürgen Korte und Regina Schönfeld hat das fatale Folgen. Sie müssen weiter in ihrer Umsetzwohnung im selben Haus ausharren, in der sie für die Zeit der Sanierung einquartiert wurden.

„Unsere Wohnung war zu 80 Prozent mit Schimmel befallen und muss deswegen saniert werden“, sagt Heinz-Jürgen Korte. „Grund dafür war ein komplett marodes Dach und eine undichte Fassade. Dadurch ist Feuchtigkeit eingedrungen.“ Das Problem: Die Sanierungsarbeiten stehen laut Korte seit Mitte vergangenen Jahres still. „Es ist aber nicht nur so, dass die Arbeiten nicht weitergehen“, sagt Korte. „Bei einer Begehung vor einigen Tagen wurde uns vonseiten des Vermieters mitgeteilt, dass die bereits sanierte Fassade wegen Mängeln erneut saniert werden muss. Es geht also alles noch mal von vorne los“, so der 54-Jährige.

Kleidung lagert in Umzugskartons

Was erschwerend hinzukommt: Ihre Umsetzwohnung, die nur für eine kurzfristige Unterbringung gedacht war, gleicht laut Korte einem „Loch“. Die Tapeten lösen sich teilweise ab, ebenso die Deckenplatten. „Unsere alte Wohnung hatte drei Zimmer mit rund 90 Quadratmetern“, berichtet Korte. Die Umsetzwohnung ist viel kleiner. Sie hat lediglich zwei Zimmer mit weniger als 50 Quadratmetern. „Wir haben nur das Nötigste mitnehmen können“, sagt Korte. „Meine Lebensgefährtin und ich schlafen jeweils auf einer Notliege. Als Mobiliar haben wir vier Stühle, einen Tisch und einen Fernseher. Die Kleidung bewahren wir in Umzugskartons auf. Die Küche ist eine Uralt-Küche von den Leuten, die hier früher gewohnt haben.“ Auch ohne Corona würden sie schon mehr als zwei Jahre „wie im Lockdown“ leben, sagt Korte. Familienfeiern oder gemeinsame Essen mit Freunden seien nicht drin. Wer die Situation zu vertreten hat, ist laut Korte klar: „Verantwortlich ist unser Vermieter, die Project Immobilien Wohnen AG.“

Ihr Hab und Gut aus der alten Wohnung sei zu Beginn der Sanierung in einem Container im Hof eingelagert worden. „Aber ungereinigt“, sagt Korte. Dadurch seien „90 Prozent der Gegenstände in der Zwischenzeit durch den Schimmel zerstört“ worden. „Darunter Sachen mit einem großen persönlichen Erinnerungswert, zum Beispiel unsere Fotos, gemalte Bilder meines verstorbenen Vaters, Zeugnisse der Kinder, Tauf- und Erstkommunionskerzen, Instrumente und Urkunden.“ Der Vermieter habe ihnen eine Entschädigung in Höhe von 10.000 Euro für alles angeboten – das sei „ein Witz in Anbetracht des Schadens“, sagt Korte.

Unternehmen räumt Probleme ein

Die Project Immobilien räumt Probleme ein. „Beim Sanieren von alten Gebäuden mit Baujahr um 1900 und unter Denkmalschutz kommt es aufgrund der Bausubstanz und fehlender Dokumentation nicht selten zu unvorhergesehenen Herausforderungen und Anpassungen der Maßnahmen, die sich negativ auf den Zeitplan auswirken“, erklärt eine Unternehmenssprecherin. „Dementsprechend dauern die Sanierungsarbeiten leider länger an als geplant.“ Neben notwendigen Nacharbeiten zur Schimmelbehandlung sei es außerdem zu einem Wassereinbruch in der darüber liegenden Wohnung gekommen, wodurch sich der Abschluss der Sanierung erneut verzögert habe.

Mehr noch: „Das für die Trockenlegung des Gebäudes gut abgestimmte Konzept hat für die Nordseite unerwartet nicht ausgereicht“, so die Sprecherin weiter. Dadurch seien „Feuchteschäden im Küchenbereich der Mietwohnung“ entstanden. In Zusammenarbeit mit einer Fachfirma würden weitere Maßnahmen besprochen, um erneute Feuchteschäden zu verhindern. „Abhängig von der Verfügbarkeit notwendiger Fach- und Baufirmen rechnen wir mit voraussichtlich zwei bis drei Monaten für die Ausbesserung des Feuchteschadens und die Behebung wesentlicher Mängel“, so die Sprecherin.

Mieter würden die Immobilie gerne selber kaufen

„Die Aussage, dass 90 Prozent der eingelagerten Sachen zerstört sind, können wir nicht nachvollziehen“, betont sie. „Bei der Öffnung des Containers nach der Lagerdauer konnte kein weiterer Verfall oder die Ausbreitung von Schimmel festgestellt werden.“ Vor der Einlagerung seien „alle Gegenstände desinfiziert“ worden. Grundsätzlich sei es allerdings „nahezu unmöglich, bereits belastete Holzmöbel komplett von Schimmel zu befreien“. Der Schadensersatz sei anhand einer Bestandsliste vorgeschlagen worden, für die das komplette Inventar mit einem Wiederbeschaffungswert bewertet worden sei. „Hierzu befinden wir uns aktuell im Austausch und in Abstimmung mit Herrn Korte“, so die Sprecherin. Heinz-Jürgen Korte kritisiert, dass die Arbeiten so lange dauern: „Es ist schwer erträglich zu sehen, dass es die Project Immobilien zwar schafft, Hunderte neue Eigentumswohnungen in Berlin und Umgebung zu errichten, aber nicht imstande ist, unsere alte Wohnung in zweieinhalb Jahren mängelfrei zu sanieren.“

Den Mietern schwebt mehr vor als ein Rückzug in die alte Wohnung und eine Entschädigung. „Wir würden zusammen mit anderen Mietern aus unserer Anlage, der Bürgerinitiative Altes Wasserwerk Tegel, das Gelände gerne selber kaufen“, sagt Heinz-Jürgen Korte. „Unser Ziel ist eine gemeinwohlorientierte Bewirtschaftung.“ Neun Wohnungen gehören zu der Wohnanlage, fünf davon sind noch bewohnt. Ob die Mieter tatsächlich kaufen, hänge allerdings vom Kaufpreis ab und den Ergebnissen der Untersuchungen, die aufgrund von vermuteten Umweltschäden durchgeführt werden müssen, sagt Korte. Vorerst hat er aber nur ein Ziel. „Zurück in die alte Wohnung.“