Noch rollen die S-Bahnen im Minutentakt. Doch in weniger als vier Monaten wird eine der wichtigsten S-Bahn-Strecken in Berlin komplett gesperrt. Dann wird die Stadtbahn, die das Zentrum von Ost nach West durchquert, saniert. Weil weitere Schäden entdeckt worden sind, dauern die Bauarbeiten zudem länger als ursprünglich geplant. Nach Informationen der Berliner Zeitung soll die S-Bahn-Trasse, an der stark frequentierte Stationen wie Alexanderplatz, Hauptbahnhof und Zoologischer Garten liegen, nun in zwei Etappen während der Sommerferien gesperrt werden.

Erst wird der Abschnitt vom Ostbahnhof zur Friedrichstraße rund drei Wochen lang stillgelegt – nach den jetzigen Plänen ab Mitte Juli. In den folgenden drei Wochen nehmen sich die Arbeiter das Teilstück vor, das von der Friedrichstraße in Richtung Westen führt. Ob diese S-Bahn-Baustelle bis Zoo oder sogar bis Charlottenburg führt, ist noch nicht endgültig entschieden. Klar ist aber, dass dort vom 25. August an wieder S-Bahnen fahren sollen. Denn dann sind die Ferien zu Ende.

„Anfangs sollte die Sperrung vier Wochen dauern“, hieß es bei der Bahn. Doch dann stellten Fachleute fest, dass nicht nur die Schienen verschlissen sind: „Auch die Dübel, die Teil der Konstruktion sind, müssen jetzt ausgetauscht werden.“

Unbequem umsteigen dank VLB

Betroffen sind mehr als eine halbe Million S-Bahn-Fahrgäste pro Tag. Damit sie trotzdem ans Ziel kommen, setzt die Bahn mehr Regionalzüge ein – deren Gleise bleiben in Betrieb. Ein Busersatzverkehr kommt hinzu. Auch die U-Bahn-Linie U 2 bietet sich zur Umfahrung an. Allerdings wird dort in diesem Sommer ebenfalls gebaut. Dies erfordert an Werktagen abends Sperrungen rund um den Bahnhof Zoo.

Wie jetzt bekannt wurde, dauert auch eine andere Einschränkung des S-Bahn-Verkehrs länger als geplant. Die neue Umsteigeregelung in Wannsee, über die sich viele Fahrgäste ärgern, muss laut S-Bahn bis Ende Juli aufrechterhalten werden – rund einen Monat länger als geplant. So lange müssen Reisende, die mit der S 7 ankommen und der S 1 nach Potsdam weiterfahren wollen, noch den Bahnsteig wechseln und zehn Minuten warten. Selbst wer einen Sprint einlegt, sieht vom Anschlusszug nur die Rücklichter.

Die Gleisänderung ist Folge einer Baustelle vor dem Bahnhof Wannsee: Die Brücken über der Spanischen Allee werden neu gebaut. „Ende Februar sollte die Durchfahrt wegen Kranarbeiten gesperrt werden. Der Kran, für den 80.000 Euro fällig werden, war auf dem Weg“, hieß es. Doch die Verkehrslenkung Berlin, die zur Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gehört,lehnte die am 21. Januar beantragte Genehmigung überraschend ab. Ihre Begründung: Die gewünschte Erlaubnis hätte der grundsätzlichen Haltung, bei so wichtigen Straßen nur Wochenendsperrungen zuzulassen, widersprochen. Trotzdem komme die VLB der Bahn entgegen: Für den 9. April wurde eine kurze Vollsperrung genehmigt – ausnahmsweise.