Vor zehn Monaten ging auf der Müggelspree in Köpenick eine Ära zu Ende. Nach 102 Jahren wurde damals Berlins einzige Ruderfähre, die jeden Sommer tausende Menschen zwischen Müggelheim und Rahnsdorf hin- und herbrachte, eingestellt. Die BVG vergab die Fähren in Köpenick an die Weiße Flotte Stralsund, die nur 36 Meter lange Strecke über die Müggelspree hielt man für nicht mehr notwendig. Daran konnten auch gut 18 000 Protestunterschriften und diverse Petitionen an Politiker nichts ändern.

„Wir haben uns gesagt, das kann es nicht gewesen sein“, sagt Stefan Förster, der Chef des Köpenicker Heimatvereins. Man habe sich nicht damit abfinden wollen, dass eine langjährige Tradition und Touristenattraktion gekappt wird. Deshalb hat der Verein die kleine Fähre jetzt gekauft. „Paule III“, wie das Boot heißt, war vom Verkäufer, der Stern- und Kreisschifffahrt, in einer Zeitung angeboten worden.

Für rund 1 800 Euro hat der Verein zugegriffen. Förster: „Das ist ein Freundschaftspreis, den wir nur erzielen konnten, weil wir gemeinnützig sind.“ Vor wenigen Tagen schleppten der Rahnsdorfer Fischer Andreas Thamm und weitere Vereinsmitglieder das rot und blau lackierte Boot aus dem Treptower Hafen nach Rahnsdorf. Zweieinhalb Stunden dauerte die Heimreise. Als wäre er nie weg gewesen, schaukelt „Paule III“ jetzt wieder am Müggelheimer Anleger im Wasser. Den Namen hatte die Fähre einst nach dem berühmtesten ihrer Fährmänner, nach Paul Rahn, erhalten.

Heimatverein will den Linienbetrieb wieder aufnehmen

Am Sonnabend, zum Rahnsdorfer Fischer- und Fährmannfest, soll die Fähre sogar wieder zum Einsatz kommen. Gegen eine Spende kann sich jeder hin- und herrudern lassen, wie Stefan Förster sagt: „Einen richtigen Fährmann haben wir zwar noch nicht, aber unser Ruderer versteht sein Handwerk.“ Ziel des Heimatvereins ist – natürlich – die Wiederaufnahme des regulären Linienbetriebs zwischen Rahnsdorf und Müggelheim. Dafür brauchen sie dann aber einen richtigen Kapitän – und Geld. Förster: „Die Weiße Flotte Stralsund hat ein Angebot gemacht, zu dem das Land Berlin aber 15 000 Euro zusteuern müsste.“

Am Sonnabend (10 bis18 Uhr) wird in Rahnsdorf bei Fischer Thamm,Dorfstraße 13, aber erst mal gefeiert. Mit Shanty-Chor, dem Hauptmann von Köpenick, einer Tombola, viel frischem Fisch und Seemannsgarn. Und mit „Paule III“.