Immer mehr Briten sind ganz scharf auf einen neuen Pass
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BerlinDer Brexit steht an - am Freitag dieser Woche soll Großbritannien nicht mehr Bestandteil der Europäischen Union sein. Das hat Auswirkungen auf die Stadt Berlin. Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Dienstag mitteilte, könnten bereits am 31. Januar genau 14.433 Briten, die in Berlin leben, ihren Status als EU-Bürger verlieren. Gleiches gilt für 966 Briten, die im Nachbarland Brandenburg leben. Von 2016 – dem Jahr des Brexit-Referendums – bis zum 31. Dezember 2018 erhielten 1272 Briten in Berlin einen deutschen Pass.

Diese Zahl belegt ganz eindeutig, dass der deutsche Pass seit dem Ausstiegsbeschluss sehr begehrt ist. Denn in den drei Jahren vor dem Brexitbeschluss von 2013 bis 2015 haben gerade einmal 109 Briten einen deutschen Pass bekommen. Die aktuelle Zahl ist zwölfmal höher.

Im Land Brandenburg ist die Steigerung sogar noch höher: Dort wurden 25 Mal mehr Pässe vergeben. Die Zahl stieg von sieben auf 172. Und dabei fehlen in der Statistik noch die Zahlen des Jahres 2019.

Mehr Briten zogen nach Berlin

Auch die sogenannten Wanderungsströme sind eindeutig vom Brexit beeinflusst, gemeint ist damit der Zuzug von Briten in die deutsche Hauptstadt. Die Statistiker geben dabei immer das Saldo an, also in diesem Fall, wie viele Briten mehr nach Berlin zogen, als in der gleichen Zeit Berliner diese Stadt in Richtung Großbritannien verließen. Von 2013 bis 2015 zogen 2600 Briten mehr nach Berlin als umgekehrt. Seit dem Referendum waren es bis Ende 2018 insgesamt 5700 Personen. Also mehr als doppelt so viele.

Dazu kommt noch, dass viel mehr Deutsche, die davor auf den Britischen Inseln lebten, wieder nach Berlin zurückgekehrt sind.

In Brandenburg war so, dass bis zum Beschluss mehr Brandenburger nach Großbritannien zogen, als Briten nach Brandenburg. Die Mark verlor an die Insel 100 Leute mehr, als gleichzeitig von dort einwanderten. Dieser Negativtrend hat sich nach dem Beschluss nicht nur in ein Zuwanderungsplus gewandelt, sondern der Wert ist auch noch doppelt so hoch wie zuvor der Minuswert. Das heißt: Zweihundert Briten zogen mehr nach Brandenburg.

Zahl der Touristen sinkt ganz klar

Während also die Zuwanderung steigt, sank aber die Zahl der britischen Touristen, die nach Berlin kamen, und zwar und zwar deutlich. Bislang konnten die Statistiker nur die Zahlen für die Übernachtungen in Hotels und Jugendherbergen bis Ende November 2019 vorlegen. Daraus ergibt sich aber ein klares Bild. Die Zahl britischer Touristen sank um 6,6 Prozent oder in absoluten Zahlen um 102651 Übernachtungen.

Die Berliner Hotels meldeten 90.396 weniger Übernachtungen von Briten. Von diesem Rückgang waren vor allem die Bezirke Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf betroffen, denn dort lag der Rückgang jeweils bei 44.000 Übernachtungen.

Bei den Jugendherbergen gab es bereits 2018 von Januar bis November einen Rückgang von 26.585 Übernachtungen (ein Minus von 11 Prozent). 2019 waren es noch einmal 10.002 Übernachtungen weniger.

Trotzdem stieg Gesamtzahl der Übernachtungen

Trotz des Fernbleibens britischer Touristen muss sich die Branche in Berlin nicht sorgen, denn die fehlenden Briten werden durch andere Touristen ersetzt. Das heißt, die Gesamtzahl der Übernachtungen ist trotz Brexit nicht rückläufig.

Die Hotellerie verzeichnete 2019 ein Plus von 3,5 Prozent, das sind 90.4225 Übernachtungen mehr. Bei den Jugendherbergen lag das Plus sogar bei 5,1 Prozent oder bei 18.5055 zusätzlichen Übernachtungen.