CHARLOTTENBURGBausenator Klemann legte gestern den Grundstein für den vierten Bauabschnitt der Messehallen am Funkturm. Sie werden auch auf der ehemaligen Jafféstraße gebaut. Damit hat sich aber auch ein Streit über die Ersatz-Straße entzündet: Entweder soll sie Jaffé- oder Ludwig-Erhard-Straße heißen.Am "Wirtschaftsstandort Messe-Hallen" wäre der Name von Ludwig Erhard genau richtig. So denkt es sich zumindest der Senat. Und deshalb soll die neue Straße, die den Messedamm mit der Heerstraße verbindet, den Namen des ehemaligen Kanzlers und "Vaters des Wirtschaftswunders" erhalten. Die vierspurige Fahrbahn verläuft südlich der Deutschlandhalle, parallel zur S-Bahn-Strecke. In Kürze wird mit dem Bau des zweiten Straßenabschnitts zwischen Harbig- und Heerstraße begonnen. Die neue Trasse ersetzt die alte Jafféstraße, die mit den neuen Messehallen bebaut wird.Nur noch ein kleines Stück soll nach dem Willen des Senats von der Jafféstraße übrigbleiben: der 20 Meter lange Abschnitt, der vom Messedamm zum Parkplatz der Deutschlandhalle führt. "Eine Ludwig-Ehrhard-Straße fehlt in dieser Stadt", begründet die Bauverwaltung. "Sie sollte schon immer kommen."20 Meter für Benno Jaffé ­ "Zu wenig", wie die bündnisgrüne Baustadträtin Beate Profé meint. Sie verlangt, daß auch die neue Straße nach Benno Jaffé benannt wird. "Für Ludwig Erhard ließe sich garantiert ein anderer Ort finden." Den kurzen 20-Meter-Rest vor der Deutschlandhalle möchte sie in "Platz vor der Deutschlandhalle" taufen. Weil sich Profé weigerte, den Namen von Benno Jaffé aufzugeben, wurde ihr die Zuständigkeit durch die Senatsbauverwaltung entzogen.Benno Jaffé, der 1923 starb, ist seit 1919 Ehrenbürger Charlottenburgs. Am heutigen Goslarer Ufer gründete er eine Lanolinfabrik. Von 1902 bis 1918 war er in Charlottenburg Stadtrat und Stadtverordneter. Er rief auch die "Benno- und Helene-Jaffé-Stiftung" ins Leben, die Armen half. "Diese bedeutende Persönlichkeit soll jetzt degradiert werden", schimpft Baustadträtin Profé.Unterdessen laufen die Arbeiten für das 1,6-Milliarden-Projekt Messehallen auf Hochtouren. Bis zum Sommer 1999 soll die Ausstellungsfläche um sechs Hallen auf etwa 160 000 Quadratmeter erweitert werden doppelt so viel wie vor der Wende. Hierfür legte Bausenator Jürgen Klemann (CDU) gestern nicht nur den Grundstein, er übergab auch den fertiggestellten dritten Abschnitt mit zwölf Hallen offiziell an die Messe Berlin. kop