Eine Rauchspur am Himmel, ein helles Objekt, ein greller Lichtblitz und ein lauter Knall sorgten am Morgen im russischen Tscheljabinsk, 200 Kilometer südlich von Jekaterinburg, für Aufregung. Videos und Bilder, die auf Youtube und Twitter kursieren, zeigen das Objekt das Tscheljabinsk und Umgebung am Morgen jäh aus dem Alltag riss und in höchste Aufregung versetzte. In einigen der Videos hört man einen gewaltigen Knall, zersplitternde Scheiben und Alarmanlagen von Autos, die ausgelöst werden. Auslöser ist ein Meteoritenschauer oder ein einzelner Meteoriten.

Augenzeugen sprechen von einem Lichtblitz, Explosionen und Rauchwolken am Himmel. Der Knall sei so laut gewesen wie Erdbeben und Donner zusammen, war zu hören. Auch von brennenden Objekten, die zur Erde fallen und Problemen mit dem Handynetz war die Rede.

Der Astronom Phil Plait, erklärte auf Twitter recht früh, dass er keinen Zusammenhang mit dem Asteroiden 2012 DA 14 sehe, der am gleichen Tag der Erde rekordverdächtig nahe kommen soll. Nach anfänglicher Skepsis ist er sich schnell relativ sicher: die Aufnahmen sind nicht gefälscht, sie könnten tatsächlich einen Meteoriten zeigen, der in die Erdatmosphäre eingedrungen und dort verglüht ist. „Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass der Meteor mehrere Kilometer über der Erde auseinandergebrochen ist und die Bruchstücke heruntergefallen sind“, erklärt der Astronom in seinem Blog.

Auch die Esa erklärt auf Twitter: Es gibt keine Verbindung zwischen dem Zwischenfall in Russland und dem Asteroiden, der sich der Erde bis auf knapp 28.000 Kilometer nähern soll. "Das ist etwas völlig anderes", sagte ein Sprecher der europäischen Weltraumagentur der Nachrichtenagentur dpa. "Flugbahn und Ort des Einschlags sprechen dagegen".

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Etwa 400 Verletzte

In Russland melden die Behörden etwa 400 Verletzte, darunter seien auch mindestens zehn Kinder. Die meisten Verletzungen seien leichte Schnitte und Prellungen, die wohl von den Scherben zerborstener Scheiben kommen.

Während zuerst vermutet wurde, dass ein Meteoritenschauer für den Zwischenfall verantwortlich war, korrigierte ein Sprecher des russischen Zivilschutzministeriums das später: „Es gab keinen Meteoritenschauer über dem Ural, es war nur ein Meteorit, der verbrannte, als er durch die Atmosphäre flog.“ Insgesamt seien sechs Städte betroffen, heißt es. Die Druckwelle soll zahlreiche Dächer zerstört haben, unzählige Fensterscheiben gingen zu Bruch.

Der Meteorit ist nach Angaben des regionalen Gouverneurs Michail Jurewitsch in den See Tschebarkul gestürzt, der etwa einen Kilometer von der Stadt Tscheljabinsk entfernt liegt. Der Meteorit hatte höchstwahrscheinlich einen Durchmesser von einem Meter und wog einige Tonnen, zitiert RIA Novosti Valeri Schuwalow von der Russischen Wissenschaftsakademie.

Laut Esa-Ingenieur Rainer Kresken lassen sich abstürzende Meteoriten von geringer Größe nur schwer vorher erkennen. "Das ist mit den heutigen Mitteln der Technik vorher praktisch nicht zu entdecken", erklärt der Raumfahrtingenieur. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit von mindestens 11,2 Kilometern pro Sekunde könnten auch kleine Objekte großen Schaden anrichten. (mit dpa)

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