Der Auftrag kommt von ganz oben: von der RBB-Intendantin höchstpersönlich. Dagmar Reim übergibt Michael Kessler nicht etwa die erhoffte Samstagsabend-Show, sondern einen Rucksack mit dem knappen Marschbefehl: Sie gehen jetzt für uns mit einem Eselchen durch die Uckermark! Sein Begleiter, der siebenjährige Wallach Elias, wartet schon, angebunden am Parkplatz der RBB-Intendanz.Dabei ist TV-Comedian Kessler, ansonsten in Sendungen wie "Switch Reloadad" zu erleben, dem RBB sehr dankbar. Denn der Sender ermöglicht ihm schon seit Jahren etwas, was Kessler sucht und anderswo vermisst: zufällige, unverstellte und wahrhaftige Begegnungen vor der Kamera. Auf die Zeit in der "Berliner Nacht-Taxe" folgte die Reihe "Kesslers Expeditionen", die ihn im letzten Jahr im Paddelboot auf der Spree von der Quelle bis zur Mündung führte.Die Wahl eines neuen Fortbewegungsmittels war schwieriger als gedacht. Schließlich sollte es Gelegenheiten für die erhofften Begegnungen ermöglichen und ihn nicht gleich in ein paar Stunden aus dem Sendegebiet hinausführen. Die Wahl eines Esels brachte eine Überraschung. Denn Kessler durfte auf dem Tier nicht etwa reiten, wie Don Quichottes Knappe Sancho Pansa, sondern ihn nur als Begleiter und Lastenträger nutzen. Mehr als 35 Kilo darf so ein Tier nicht schleppen - da passt der Tierschutz auf. Esel Elias, gecastet aus einem guten Dutzend Artgenossen, zeigte gleich auf den ersten Kilometern durch Berlin eine wichtige Funktion. "Er war mein Türöffner", erklärt Kessler. "Viele Leute haben gleich gelächelt und mich ausgefragt."In den folgenden zwei Wochen aber, beim Durchqueren von Schorfheide und Uckermark, wurden die Begegnungen immer rarer. Da musste Michael Kessler schon mal in einen Hof hineinrufen, um überhaupt jemanden vor die Kamera zu bekommen. Seine Gegenüber erlebte er als erfrischend offen und zugänglich - in seiner Kölner Heimat laufen die Menschen bei TV-Kameras inzwischen nur noch weg. Nur einmal wurde er bitter enttäuscht: Da wurde ihm Ausrüstung aus den Eselstaschen geklaut.Auch das Miteinander mit seinem Begleiter überraschte Kessler: "Ich habe nicht nur oft mit ihm geredet. Elias hat mich wirklich beruhigt. Wenn er stehen blieb, dann blieb er eben stehen, roch, hörte sich um, fraß. Esel sind weder doof noch stur, sondern haben ihren eigenen Kopf - wie wir Menschen." Selbst für den Fluchtversuch seines Esels hatte Kessler Verständnis. "Wir hatten ihn abends nicht auf Gras, sondern auf einer Sandfläche angebunden. Das mochte er nicht"Mit ihrer Entdeckung der Langsamkeit entfaltet die beschauliche Serie selbst eine therapeutische Wirkung. Wer mit dem Auto im Stau feststeckt, wer sich über die abgestürzten Computer ärgert, sollte einfach an Kesslers Esel denken: Wenn er stehen will, steht er eben, wenn er irgendwann weitergehen will, geht er weiter. Im Fluss bleiben wird Kessler auf seiner nächsten Expedition: mit dem Floß die Havel hinunter.-----------------------Kesslers Expedition - 4 Folgen, RBB montags 21 (bzw. 20.15) Uhr------------------------------Foto: Kessler und Esel Elias auf Usedom

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