Berlin - Die Berliner stellen dem Senat kurz vor der Wahl ein schlechtes Zeugnis aus. Nur noch 33 Prozent sind mit der Arbeit der rot-schwarzen Koalition zufrieden. Nicht viel besser kommen SPD und CDU bei ihren eigenen Anhängern weg, von denen jeweils nur etwa die Hälfte einverstanden mit der Regierung sind. Zu diesem Schluss kommt eine Forsa-Umfrage für die Berliner Zeitung. Einen vergleichbar geringen Zuspruch gab es zuletzt im April 2014 unter Senatschef Klaus Wowereit.

Vor allem der Spitzenkandidat der CDU, Innensenator Frank Henkel, hat zu diesem dürftigen Ergebnis beigetragen. Lediglich 27 Prozent der Befragten sind mit ihm zufrieden, während Senatschef Michael Müller (SPD) 47 Prozent erreicht. Auch im direkten Duell der beiden Spitzenkandidaten liegt Müller deutlich vorn. 46 Prozent sprechen sich für ihn als Regierenden Bürgermeister aus, nur 16 Prozent wollen Henkel an der Spitze sehen.

Keine Aufholjagd

Zwar konnte der CDU-Chef, der zuletzt für ein Burka Verbot und die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft plädiert hatte, den Abstand zu Müller etwas verringern. So verbesserte er sich gegenüber dem Vormonat leicht um einen Prozentpunkt, während der Senatschef wiederum einen Prozentpunkt verlor. Doch auf eine veritable Aufholjagd deutet wenige Wochen vor der Wahl nichts hin. Beim Vergleich aller drei Spitzenkandidaten von SPD, CDU und Grünen würden sich 38 Prozent für den Amtsinhaber entscheiden und damit zwei Prozent weniger als im Juli, jeweils 15 Prozent würden wie im Vormonat für Henkel und Grünen-Spitzenkandidatin Ramona Pop (minus 1 Prozent) stimmen.

Bei den Koalitionspräferenzen ergibt sich nach wie vor kein eindeutiges Bild. Rot-Grün wäre für 20 Prozent die Wunschkonstellation. Für ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linke plädieren 19 Prozent. Zusammen gezählt sind das 39 Prozent, damit spricht sich eine Mehrheit für eine linke Regierung aus. Das bürgerliche Lager kommt auf 32 Prozent. Eine große Koalition hätten 19 Prozent am liebsten, nur 13 Prozent sind für ein Zusammengehen von CDU und Grünen. Bei den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen wäre ein Dreierbündnis für eine Regierungsbildung nötig, was für Rot-Grün-Rot spricht.

Das Interesse am Wahlkampf, der jetzt in die heiße Phase tritt, ist gegenüber der letzten Abgeordnetenhauswahl leicht gewachsen. 41 Prozent sind interessiert, davon 9 Prozent stark (2011 waren es 32 Prozent, besonderen Anteil nahmen 7 Prozent.) 59 Prozent der Berliner konnten bislang nicht mobilisiert werden. Über die Hälfte der Befragten meint zudem, dass keine Partei einen guten Wahlkampf macht. Immerhin, 72 Prozent geben an, sich an der Wahl am 18. September beteiligen zu wollen. Allerdings heißt das nicht, dass von ihnen tatsächlich alle ihre Stimme abgeben. 2011 betrug die Wahlbeteiligung 60,2 Prozent.

Zwischen 16. und 25. August wurden 1009 Berliner befragt. Die statistische Fehlertoleranz beträgt plus/minus drei Prozent.