Weil sich der Vorstand der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) mit den mächtigen Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat nicht über den Umbau des Unternehmens einigen konnte, ist fast die komplette BSR-Führung ausgeschieden.Klaus P. Kantzer, seit August 1994 Vorstandschef der BSR, verlasse das landeseigene Unternehmen "auf eigenen Wunsch", teilte Finanzsenator und BSR-Aufsichtsratschef Elmar Pieroth (CDU) gestern lapidar mit. Am Dienstag abend hatte der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung die Vorstände Georg Fischer (Technik, Sonderaufgaben) und Manfred Paris (Personal) von ihren Aufgaben entbunden. Einzig der für Abfallwirtschaft zuständige Vorstand Jürgen Chibiorz bleibt im Amt. Kantzer, bis Mitte 1994 im Vorstand der Berliner Schering AG, war zudem für Kaufmännisches und Straßenreinigung zuständig.Über die Gründe für den Führungswechsel war gestern offiziell nichts zu erfahren. Insidern zufolge haben die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nahezu jegliche Strategie-Entscheidungen des Vorstandes blockiert. So skizzierte Kantzer noch am vergangenen Freitag, wie er die BSR zu einem konkurrenzfähigen Dienstleister machen wollte. Zwei Punkte in diesem Konzept dürften die Personalräte auf den Plan gerufen haben: So sollen bis 1999 weitere 2 000 der heute 8 939 Stellen abgebaut werden. Außerdem müssen sich die BSR-Beschäftigten auf weit höhere Normen einstellen. Entsprechende Verhandlungen stehen bevor. In vergleichbaren Privatfirmen wird teilweise doppelt so effektiv gearbeitet.Am 14. Februar soll Michael Pagels dem Vernehmen nach als neuer Vorstandschef der BSR eingesetzt werden. Der derzeitige Bewag-Vorstand war früher Berliner DGB-Chef. Nachfolger von Manfred Paris soll der ÖTV-Mitarbeiter Christoph Landerer werden. Aus der nordrhein-westfälischen Energiewirtschaft soll ein Herr namens Baumhöfer als Ersatz für Georg Fischer "eingeflogen" werden. +++