Es gibt recht wenig gedruckte Texte von Michael Stein, sein Metier war das gesprochene Wort, die Reihe "Stein spricht" war die Form, in der er sich am besten entfalten konnte. Von uns allen Lesebühnenautoren war er vielleicht der Talentierteste, er verschwendete sich in Ekstase, die er, seinem Bedürfnis nach Ewigkeit geschuldet, in Alkohol und anderen Räuschen suchte. Meist mit einem blauen Overall angetan las er seine Texte von winzigen Notizzetteln ab: Hatte er keine Notizen dabei, drohte er sich in einem fanatischen Gedankenstrom zu verlieren, der Uneingeweihten wahnsinnig vorkommen musste.Jahrelang kämpfte er in einer Art S-Bahn-Kabarett mit den Kontrolleuren der BVB, wurde er um den Fahrausweis gebeten, sagte er: "Ich bin Buddhist und Sie sind eine Illusion!", um erst nach dem langen Gespräch seinen Fahrkarte zu zeigen. Er war ein besonderer, einmaliger Grenzgänger, umgänglich und leutselig, kompromisslos bis zum Starr- und Wahnsinn.Wie sein Freund Wiglaf Droste hätte er eine erfolgreiche Laufbahn als schreibender Musikant, singender Schriftsteller oder Saxophon spielender Gitarrist einschlagen können, aber immer wenn Erfolg oder Stetigkeit drohten, musste Michael Stein aussteigen.Er war ein Getriebener, welche Teufel ihn ritten, wenn er sein Extrem-Kabarett aufführte, wusste er wohl selber nicht. Er konnte einfach nicht anders. Das gute Leben war nie eine Option. Ein ungewöhnlich kompromissloses Leben ist zu Ende gegangen. Nach einem Dreivierteljahr Krankheit ist Michael Stein am Mittwoch im Alter von 55 Jahren in einem Krankenhaus im Saarland entschlafen, er hinterlässt zwei Töchter und viele gute Freunde.