Die Zahlen sind zwar nicht neu, doch dem neuen Bundesinnenminister Thomas de Maizière schienen sie am Mittwoch sehr zupass zu kommen, um in der aktuellen Zuwanderungsdebatte einen anderen Akzent zu setzen. Und so lobte er in Berlin die positive Entwicklung bei der Einwanderung, die laut dem aktuellen und vom Kabinett beschlossenen Migrationsbericht 2012 auf dem höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten war.

Das heißt, im vorvergangenen Jahr zogen 1,08 Millionen Menschen nach Deutschland. Das sind 13 Prozent mehr als 2011, als 960 000 Menschen kamen. Zuletzt suchten 1995 so viele Zuwanderer ihr Glück in Deutschland. Da allerdings auch die Zahl der Auswanderer gestiegen ist, ergibt sich für 2012 ein sogenannter Wanderungsgewinn von rund 370 000 Personen. Neuere Angaben bestätigen zudem den Trend. Im ersten Halbjahr 2013 wanderten nach vorläufigen Erhebungen des Statistischen Bundesamtes weitere 555 000 Menschen nach Deutschland ein.

Innenminister lobt Entwicklung

Für den CDU-Politiker belegen die Zahlen, dass sich der Abbau von Hürden für Einwanderer nach Deutschland ausgezahlt habe. Die Weichen für den Zuzug von Fachkräften seien richtig gestellt. „Die Zahlen belegen, dass Deutschland aus verschiedenen Gründen für die Zuwanderung attraktiv ist“, erklärte de Maizière.

Rund 620 000 Zuwanderer kamen aus der Europäischen Union, die meisten von ihnen aus Ost- und Mitteleuropa, was mit der Ost-Erweiterung und der Finanzkrise zu erklären ist. Etwa 340 000 stammen aus Drittstaaten außerhalb der EU. Der Rest waren Deutsche, die in ihre Heimat zurückkehrten. Hauptherkunftsländer der Zuwanderer, die aus Drittstaaten zum Arbeiten nach Deutschland zogen, waren Indien, Kroatien, die USA, Bosnien-Herzegowina und China. Von den Zuwanderern aus Drittstaaten kamen etwa 18 Prozent aus familiären Gründen, 16 Prozent für Studium, Ausbildung oder Schulbesuch. 13 Prozent wollten eine Arbeit aufnehmen, 16 Prozent kamen wegen eines Asylverfahrens oder aus humanitären Gründen.

Der aktuelle Migrationsbericht hebt besonders den verstärkten Zuzug von Fachkräften hervor. 2009 waren es noch 16000, 2012 bereits 27000 Hochqualifizierte, die den Schritt nach Deutschland gewagt haben. Der Innenminister lobte die Entwicklung. „Wir alle wissen, dass Deutschland auch auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen ist.“

Kritik kam von Experten wie dem Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann. Im europäischen Vergleich schneide Deutschland beim Fachkräftezuzug viel schlechter ab als andere Länder. Deutschland brauche eine offensive Einwanderungsstrategie. So haben die im August 2012 eingeführte Blue Card, die Akademiker aus Nicht-EU-Ländern hierher locken soll, bisher gerade einmal 7 000 Menschen in Anspruch genommen.

Die Linke beklagte zudem einen „Nützlichkeitsrassismus“, von dem vor allem Flüchtlinge betroffen seien. „Wir müssen die Armut, nicht die Armen bekämpfen und nicht nur die willkommen heißen, die für die deutsche Wirtschaft nützlich sind“, sagte Sevim Dagdelen.