Der Berliner Bauunternehmer Klaus Groth hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe Abrechnungsprobleme beim Bau von Karow-Nord und Kirchsteigfeld/Potsdam zu seinen Gunsten genutzt. "Es ist zutreffend, daß zwischen Berlin und der Arge Karow-Nord Meinungsverschiedenheiten über die angemessene Berechnung der Erschließungskosten bestanden", räumte Groth am Montag ein. Allerdings seien die Probleme schon längst ausgeräumt. Groth hatte 1992 mit dem Land Berlin einen Vertrag über die Erschließung und Errichtung des Neubaugebietes Karow-Nord im Bezirk Weißensee abgeschlossen, ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von 2,6 Milliarden Mark. Unter anderem wurde die Arbeitsgemeinschaft verschiedener Unternehmer unter Führung von Groth & Graalfs (G&G) beauftragt, die Infrastruktur, also Straßen, Bäume Gehwege etc. zu errichten. Bei der Auftragsvergabe seien jedoch einige "Massen", wie etwa Flächen oder Zahl der Bäume, von der Bauverwaltung irrtümlich doppelt angegeben worden. Das wiederum habe zur überhöhten Angebotspauschale von G&G geführt. Bei den verhandelten Differenzbeträgen von bis zu acht Millionen Mark handele es sich jedoch nur um einen geringfügigen Anteil von 0,3 Prozent des Gesamtbauvolumens.Im Konferenzraum des Bauriesen G& G im 22. Stock über dem Kudamm-Karree zeigte sich der Unternehmer Klaus Groth am Montag nachmittag erschüttert über den Vorwurf möglicher Unlauterkeit: "Unser Kapital ist unser Ruf", sagte Groth, schließlich wolle er auch zukünftig bei der Vergabe öffentlich-rechtlicher Bauaufträge mit am Tisch sitzen. Unter anderem will er sich am Grundstücksfonds Berlin beteiligen sowie an der Erschließung und städtebaulichen Entwicklung des Flughafens Schönefeld. Groth sagte außerdem, daß sein Unternehmen nicht nur die CDU wie im "Spiegel" dargestellt , sondern auch SPD und FDP seit fünf Jahren mit Spenden bedenke. "Deswegen sind wir nicht gebunden", wies Groth den Versuch zurück, ihm Korruption anzuhängen. Innenrevision eingeschaltetDie Senatsbauverwaltung bestätigte, daß es mit G&G Differenzen über die Abrechnungen Groths gegeben habe. Die Innenrevision der Behörde und der Landesrechnungshof seien eingeschaltet und die Prüfungen im Gange, sagte Sprecherin Kerstin Appelshäuser.In Potsdam wies die Staatsanwaltschaft darauf hin, daß man die Auseinandersetzung über möglicherweise unterlassene Ausschreibungen beim Bau des Wohngebiets Kirchsteigfeld "beobachte". Ermittlungen gebe es jedoch nicht. Auf dem Kirchsteigfeld baut G&G 2 500 Wohnungen. Das Potsdamer Bauministerium wies die Kritik des Landesrechnungshofes an der Höhe der Fördersumme im Kirchsteigfeld zurück: Die 3 080 Mark pro Quadratmeter seien damals angemessen gewesen, so Ministeriumssprecher Helmut Heidenreich. "1993 sind wir noch den Investoren hinterhergerannt." Niemand konnte am Montag allerdings erklären, warum die Straßenerschließungsarbeiten im Kirchsteigfeld nicht ordentlich ausgeschrieben wurden. Dies hätte geschehen müssen, da das Bauministerium diese Arbeiten mit acht Millionen Mark förderte. Laut Bauunternehmer Groth war jedoch ein Großteil der Aufträge bereits vergeben, als die Auflage der öffentlichen Ausschreibung erteilt wurde. (se.,tom.,suz.)