Hautvilliers, 100 Kilometer von Paris entfernt, ist ein Dorf wie viele andere in der Champagne. Mit engen Gassen und kleinen, blumengeschmückten Häusern. Und doch ist es ein ganz besonderer Ort. Denn hier hat Dom Pérignon, der Kellermeister der Benediktinerabtei, 1688 den Champagner "erfunden". Er hatte die geniale Idee, verschiedene Rebsorten zu mischen und Korken aus spanischer Korkeiche zu benutzen. Zwei Erfindungen, die die Jahrhunderte überdauerten und Hautvilliers' Ruf als "Wiege des Champagners" begründeten.Heute zählt das Dorf 849 Einwohner, 220 davon sind Weinbauern. Zur Erinnerung an den findigen Mönch trägt die größte Straße des Ortes seinen Namen. Und auch in manchem der schmiedeeisernen Zunftzeichen, die die Häuser zieren, ist der "Vater des Champagners" mit seiner braunen Kutte verewigt. Die meisten dieser fantasievollen Blickfänger sind in der Kunstschmiede Babé entstanden. Seine erste Arbeit war eine Posaune mit Weinreben, erinnert sich Michel Babé. Rund 650 Schilder hat er in 25 Jahren gefertigt: für Champagnerhäuser, Restaurants, Bäckereien, Apotheken, Hotels. Und alle sind mit Weinreben verziert. Seit einigen Jahren schmiedet nun sein Sohn Xavier die Kunstwerke. Kleine wie das am Ortseingang seines Heimatdorfes Cramant oder große wie das mehr als vier Meter hohe mit der riesigen Weintraube in Chatillon, in deren Beeren der Weg des Champagners vom Weinstock bis zum Perlen im Sektglas dargestellt ist. Einige Arbeiten gehen sogar in die Vereinigten Staaten oder nach Japan. Unweit von Hautvilliers liegt Epernay, die "Hauptstadt" des Champagners. Schon im 19. Jahrhundert haben sich hier die großen Weinhändler angesiedelt. Entlang der Avenue de Champagne beeindrucken die prunkvollen Fassaden der Champagnerhäuser. Unter der Straße erstrecken sich kilometer- lange Keller, in denen hundert Millionen Flaschen des berühmtesten Weins der Welt lagern. Wahrzeichen von Epernay ist der 66 Meter hohe Turm von Castellane. 1895 hatte Florence Castellane, Nachkomme einer der ältesten Adelsfamilien Frankreichs, hier sein Champagnerhaus eröffnet und den Turm im venezianischen Stil von dem berühmten Architekten Auguste Toudoire errichten lassen. Wer die 237 Stufen im Turm erklimmt, schaut weit ins Marnetal. Und anschließend bei einer Führung durch das Haus erfährt er alles über die Herstellung des prickelnden Getränks. Zwei Millionen Flaschen Champagner, deren Etikett das rote Andreaskreuz ziert, werden jährlich bei Castellane produziert. Geradezu abenteuerlich mutet der Gang durch die Kellergewölbe an. Nur spärlich beleuchtet sind die endlosen, zehn Kilometer langen Gänge, in denen bei zehn bis zwölf Grad bis zu neun Millionen Flaschen lagern. In der "Schatzkammer" ruhen Hunderte Flaschen, die älteste seit 1915, die nur für ganz besondere Anlässe heraus gegeben werden. Über 600 Kilometer führt die Route Touristique du Champagne durch eine reizvolle Landschaft mit Weinbergen soweit das Auge reicht, durch Täler, bewaldete Hügel und malerische Weindörfer. Angebaut werden die Rebsorten Pinot Noir, Pinot Menuier und Chardonnay, die auf der dicken Kreideschicht der Region hervorragend gedeihen. Nur diese drei Rebensorten sind zugelassen. Ein Gesetz aus dem Jahr 1927 schreibt auch vor, dass ausschließlich der hier erzeugte Schaumwein sich Champagner nennen darf. 19 500 Weinbauern hegen und pflegen das ganze Jahr über ihre Reben. Und viele öffnen ihre Häuser für Freunde dieses edlen Getränkes.Auf dem Weingut Launois Pere & Fils in Le Mesnuil-sur-Oger wird in der dritten Generation Champagner produziert und ein Besuch dort wird zu einem Ausflug in die Geschichte des Weins. Bernard Launois hat vor 30 Jahren damit begonnen, alles rund um den Champagner zu sammeln und vor 25 Jahren ein kleines Museum eröffnet. Inzwischen ist seine Sammlung zum größten Champagner-Museum der Region heran gewachsen. In einem ehemaligen Stall des Anwesens und schön gestalteten Kellergewölben beeindrucken den Besucher riesige, tonnenschwere Holzpressen aus dem 17. Jahrhundert, Werkzeuge, Dokumente, Fotos, Flaschen, Plakate, Korken und unzählige andere Exponate. Severin und Caroline, die Töchter des Weinbauern, führen durch die Ausstellung, können viel Interessantes erzählen und laden anschließend zu einer Kostprobe der Hausmarke ein.Aber auch das Verkosten des edlen Saftes will gelernt sein. Dafür ist die Villa Bissinger in Ay der richtige Ort. Im Institut International des Vins de Champagne kann man unter fachmännischer Anleitung die Geheimnisse des Champagners ergründen. Und wird ihn hinterher ganz neu sehen, riechen und schmecken. ------------------------------SERVICE // Anreise: Mit Air France nach Paris. Dort empfiehlt es sich, ein Auto zu mieten; die Fahrt in die Champagne dauert etwa eine Stunde.Champagner-Route: Eine Broschüre in deutscher Sprache ist beim Fremdenverkehrsamt erhältlich.Auskünfte: Comité Régional du Tourisme, 15, Avenue du Maréchal Leclerc - B.P. 319, F - 51013 Chalon-sen-Champagne Cedex.Im Internet: www.tourisme-champagne-ardenne.com------------------------------Foto: Weinreben schmücken die meisten Zunftzeichen in Hautvilliers.