ACCRA, 10. Mai. Bei der bisher schlimmsten Massenpanik in einem afrikanischen Fußballstadion sind nach Krankenhausangaben in Ghana mindestens 130 Menschen getötet und 150 verletzt worden. Zu der Tragödie kam es am Mittwochabend nach dem Meisterschaftsspiel der Mannschaften Accra Hearts of Oak und Kumasi Ashanti Kotoko im Stadion der Hauptstadt Accra. Als wütende Anhänger des unterlegenen Teams Kumasi begannen, Stadionsitze loszureißen und auf das Spielfeld zu werfen, setzte die Polizei Tränengas ein und schloss die Stadiontore. Daraufhin brachen die rund 40 000 Zuschauer in Panik aus, viele wurden totgetrampelt oder erstickten. Es war bereits das vierte schwere Unglück bei einem Fußballspiel in Afrika binnen eines Monats.Ghana unter SchockNach dem tragischen Unglück stand das westafrikanische Land am Donnerstag unter Schock. Radio- und Fernsehsender berichteten in langen Sondersendungen. Auch die Titelseiten der Zeitungen waren dem Unglück gewidmet. Der "Daily Telegraph" sprach von der "schlimmsten nationalen Katastrophe". Vor den Krankenhäusern versammelten sich verzweifelte Angehörige. Ärzte wurden über Rundfunk aufgerufen, sich in den Hospitälern zu melden. Eine Regierungssprecherin räumte ein, die Polizei habe möglicherweise überreagiert. Präsidialamtsminister Jake Obetsebi-Lamptey rief zur Ruhe auf, "damit die Ärzte ihre Arbeit machen können". Präsident John Kufuor berief das Kabinett zu einer Sondersitzung ein. Es wurde erwartet, dass er eine einwöchige Staatstrauer anordnet. Unmittelbar nach der Katastrophe besuchte Kufuor das Militärkrankenhaus von Accra. Er sei vollkommen niedergeschmettert, sagte anschließend seine Sprecherin.Der Überlebende Ebenezer Kofi Owusu berichtete, die Ausschreitungen hätten fünf Minuten vor Ende des Fußballspiels begonnen. Beim Siegtor für Accra Hearts of Oak hätten die empörten Fans der Gegner begonnen, Plastiksitze aus ihren Halterungen zu reißen und auf den Rasen zu werfen. Auch andere Gegenstände seien hinuntergeschmissen worden. "Ich bin mit den anderen losgerannt, um rauszukommen", sagte Owusu. "Aber das war noch schlimmer, weil die Beleuchtung zehn Minuten lang ausgeschaltet wurde und viele Ausgänge geschlossen waren." Zahlreiche Taschendiebe hätten die Panik genutzt, um die Toten auszurauben.Polizeichef Owusu Poku kündigte eine interne Untersuchung an. Sollte sich herausstellen, dass Sicherheitskräfte Verantwortung für die Massenpanik trügen, würden sie entsprechend bestraft, sagte Poku. Die Sicherheitsmaßnahmen in dem Stadion waren offenbar unzureichend. So sind die Zuschauerränge entgegen den Vorschriften des Weltfußballverbandes Fifa durch unbewegliche Zäune vom Spielfeld abgetrennt; dies machte ein Ausweichen der Menschen auf den Rasen unmöglich. (AFP)Vier Unglücke in vier Wochen // Bei Unglücken in Fußballstadien sind weltweit schon Hunderte Menschen getötet und Tausende verletzt worden.Das Unglück in Accra ist die größte Zuschauerkatastrophe in der Geschichte Afrikas und die vierte innerhalb der letzten vier Wochen.Erst am vorigen Sonntag hatten Fan-Ausschreitungen in Abidjan an der Elfenbeinküste ein Todesopfer und 39 Verletzte gefordert.Ende April waren im Kongo zehn Menschen ums Leben gekommen. 51 Personen hatten Verletzungen erlitten.Ein noch größeres Ausmaß hatte die Stadiontragödie am 11. April dieses Jahres im südafrikanischen Johannesburg mit 43 Toten und zahlreichen Verletzten.Wie im Ellis Park in Johannesburg, als die Polizei durch Tränengaseinsatz die Panik in einem überfüllten Stadion möglicherweise verschärfte, hatte im vorigen Jahr ein übertriebener Einsatz der Sicherheitskräfte während eines WM-Qualifikationsspiels im Nationalstadion von Simbabwe 13 Todesopfer gefordert.Nach der Abstimmungsniederlage von Südafrika gegen Deutschland im Rennen um die WM 2006 soll Afrika nach Wunsch der Fifa 2010 erstmals eine Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten.AFP/ISSOUF SANOGO Nach dem Unglück im Stadion stehen entsetzte Menschen vor den Blutlachen im Stadiongebäude.