Es ist nicht so, dass Christian Schmidt sich in den letzten Jahren besonders viel mit Milchpreisen befasst hätte. Oder mit Genmais. Oder mit Schulobst-Programmen. Er hat sich um technische Details von Kampfpanzern gekümmert und um Truppenbewegungen in Afghanistan, zunächst in der Bundestagsfraktion, dann als Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Dass der 56-Jährige Jurist aus Fürth nun Landwirtschaftsminister wird, liegt also nicht an inhaltlicher Expertise – sondern an der Quote. Nach dem Rücktritt des Oberfranken Hans-Peter Friedrich musste wieder ein Franke her: Parteichef Horst Seehofer wollte vor der Kommunalwahl im März nicht riskieren, den Teil der CSU zu verärgern, der sowieso schon immer unter der Dominanz der Oberbayern leidet. Vermutlich hat dabei auch der oberste Berufs-Franke, Ärger-Organisierer und Seehofer-Nachfolge-Bewerber Markus Söder einigen Druck gemacht.

Nun ist Schmidt nicht der erste Fachfremde, der ein Ministerium übernimmt. Es gab in der selbst ernannten Bauern-Partei CSU erstaunlicherweise auch nicht besonders viele Kandidaten mit Ahnung von Agrarthemen, von Äpfeln und Birnen also sozusagen. Der bisherige Agrar-Staatssekretär Gerd Müller ist inzwischen selbst Minister geworden, für Entwicklungshilfe. Dort hätte Schmidt mit seiner Außenpolitik-Erfahrung ein wenig besser hingepasst, aber Müller will nun nicht mehr weg.

Schmidt wurde in der neuen Regierung nicht Minister. Es gab nur drei Plätze. Friedrich war zwar schon umstritten, aber als CSU-Bezirkschef zu mächtig, um von Seehofer ignoriert zu werden. Im Verteidigungsministerium konnte er nicht bleiben, weil die neue Ministerin Ursula von der Leyen ihre eigenen Leute mitbringen wollte. Schmidt wurde also Staatssekretär bei Müller. Eigentlich war es wie immer: Schmidt war der ewige Zweite. Vielleicht liegt das daran, dass Schmidt ruhig und bedächtig ist, manchmal vielleicht ein wenig umständlich. Er hat seine Meinung, trägt die aber nicht unbedingt zu Markte. In der CSU hieß es bislang, Schmidt sei eher jemand, der ausführe, nicht jemand, der leite.

Nun kommt er, über Umwege, doch noch zum Zuge. Die Franken-Quote hat geholfen. Für ihn wird auch gesprochen haben, dass er Vize-Parteichef ist und als langjähriger Staatssekretär die Abläufe eines Ministeriums besser kennt, als andere mögliche Kandidaten wie die gerade zu Staatssekretären aufgestiegenen fränkischen Nachwuchspolitiker Stefan Müller oder Dorothee Bär.

Der Karrieresprung Schmidts verlief ohne Tamtam, schmidt-typisch, aber CSU-untypisch. Seehofer verzichtete darauf, den Neuen persönlich der Presse vorzustellen – er hätte dann auch Fragen zum Koalitionsklima beantworten müssen.

Die CSU-Frauen, die sich schon bei der Kabinettsbesetzung im Dezember im Nachteil fühlten, hat Seehofer im Übrigen erneut nicht bedacht: Im Entwicklungshilfeministerium rückt als Staatssekretär der fränkische Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn nach.