Der Minnesänger Nikolai de Treskow lebt auf einer Burg in Ziesar und möchte die Kunst der Verführung wiederbeleben. Er beminnt Hunderte von Frauen, hat aber auch den Plan, in Ziesar eine Minneschule aufzubauen.Mit den roten Haaren und dem blauen Augen sieht Nikolai de Treskow auf den ersten Blick nicht aus wie einer, den die Frauen anschmachten. Dabei hat er gerade mit Harfenspiel und Minnesang siebenhundertsechzig Damen verführt und ist damit ins Guinness-Buch der Rekorde gekommen. Eigentlich geht es dem 28jährigen aber nicht darum, Rekorde zu brechen. "Ich möchte die hohe Kunst des Vorspiels rekultivieren", sagt er. Denn der Flirt, das spannende Spiel zwischen Mann und Frau, ist seiner Ansicht nach ziemlich heruntergekommen. "Die Männer sind so faul geworden", sagt er. "Sie haben Angst, Gefühle zu zeigen, weil sie sich dadurch verwundbar machen." Wenn es auch nicht ganz so schlimm sei wie zu Friedrich Barbarossas Zeiten.Um den rohen Sitten, die damals auch im Umgang mit Frauen herrschten, ein Ende zu machen, gründete der Kaiser eine Minneschule für Ritter. Die Minnesänger zogen übers Land und hielten sogenannte Frauendienste ab, bei denen sie in aller Öffentlichkeit Burgfrauen beminnten. Die Veranstaltung endete immer mit einem Korb. "Jedenfalls offiziell", sagt de Treskow. De Treskow hat alte Musik und Schauspiel in Frankreich und den Niederlanden studiert und sich auf die Kunst der Minne spezialisiert. Und die besteht für ihn nicht einfach im Minneliedersingen. Während seiner Frauendienste, bei denen er regelmäßig drei oder vier Frauen vor dem Publikum beminnt, läßt er sich auf das Spiel schon wirklich ein. Natürlich bleibt alles in der Phantasie. "Aber die kann viel großartiger sein als die Wirklichkeit." Um den heutigen "Verführungsflaschen" eine Lehre zu erteilen, will de Treskow eine Minneschule auf Burg Ziesar errichten. Schauspiellehrer, aber auch ein Philosoph sollen den Männern die Kunst des Balzens beibringen und den Frauen das rechte Angeln. Bis jetzt fehlt nur noch das Geld.Auch Minnemode will er machen lassen, wallende Gewänder aus edlen Stoffen und Miniröcke für Männer. Zurück ins Mittelalter ziehe es ihn aber nicht. "Was ich mache, ist ganz modern, denn die Menschen haben sich ja nicht geändert." In Ziesar ist man froh, den Minnesänger zu haben. Miete muß er nicht bezahlen. Vier andere Orte mit Burgen hatten sich ihm auch angeboten. Doch Burg Ziesar mit dem wunderschönen Park auf der einen und dem nebeligen Moor auf der anderen Seite hatten es de Treskow angetan. Später fand er sogar heraus, daß seine Familie vor 400 Jahren in der Gegend gelebt hatte. Seit Oktober steht sein Himmelbett nun dort. Daß sich gegenüber ein Mädcheninternat befindet, scheint niemandem Kopfzerbrechen zu bereiten. suzDer nächste Frauendienst mit Nikolai de Treskow findet am 14. Januar im Franz-Club in Prenzlauer Berg statt. +++