Paris - Alles ist bereit für die Übergabe der „Wladiwostok“. Russische Marinesoldaten warten seit Wochen in Saint-Nazaire an der französischen Atlantikküste. Versuchsweise wehte bereits die russische Flagge über dem Kriegsschiff des Typs Mistral, das neben Helikoptern auch Hunderte Soldaten und einen ganzen Generalstab aufnehmen kann.

Doch das 200 Meter lange Ungetüm, das der russischen Marine Militäreinsätze an fernen Gestaden erlauben würde, ist bis heute nicht ausgelaufen. In Paris verlautet, die Bedingungen für die Lieferung seien nicht erfüllt. Im Sommer hatte Präsident François Hollande das Schicksal des Kriegsschiffs mit der ukrainischen Krise verknüpft, in der Hoffnung, dass sich im Herbst eine Entspannung abzeichnen werde.

Daraus wurde nichts. Frankreich kann sich nicht gut an den westlichen Sanktionen gegen Moskau beteiligen und den Russen zugleich ein Kriegsschiff ausliefern, das bei Konflikten wie in Georgien oder der Ukraine eine wichtige operative Funktion übernehmen könnte.

Der noch unter Ex-Präsident Nicolas Sarkozy abgeschlossene Mistral-Deal beläuft sich auf 1,2 Milliarden Euro. In den Schiffswerften von Saint-Nazaire schafft er noch auf Jahre hinaus Arbeit. Ein zweites Schiff, die „Sebastopol“, ist noch im Bau. Die russische Führung macht nun massiv Druck. Sie erinnert daran, dass sie den Kaufpreis bereits bezahlt habe. Nach dem 30. November sieht das Abkommen Strafzahlungen von Paris an Moskau vor. Die russische Presse berichtete am Wochenende, das Auslaufen sei für diesen Donnerstag geplant.

Paris will Vertagung

Paris versucht, eine Vertagung bis 2015 gegen einen geringfügigen Nachlass zu erreichen. Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin geht es aber ums Prinzip. Er will über das Mistral-Geschäft Druck auf Hollande machen und damit die westlichen Front spalten. In Saint-Nazaire steigt derweil die Spannung. In den letzten Tagen wurde die Hafensicherheit diskret verstärkt. Denn langsam wächst die Angst, dass die Russen das Schiff in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Hafen steuern könnten.

Ganz abwegig scheint der Gedanke nicht. In Frankreich erinnert man sich an einen ähnlich spektakulären Fall im Jahr 1969. Obwohl Präsident Charles de Gaulle fünf von Frankreich an Israel verkaufte Schnellboote nach dem Sechs-Tage-Krieges mit einem Auslauf-Embargo belegt hatte, entführten sie die Israelis am Weihnachtsabend aus dem Hafen von Cherbourg, um sie im Triumphzug nach Haifa zu bringen.