Mit der Novellierung der Handwerksordnung fällt in vielen Berufen der Meisterzwang. Wer sich selbstständig macht, braucht kaufmännisches Know-how: Leichterer Einstieg

Mit Beginn diesen Jahres ist es für Handwerker einfacher geworden, sich selbstständig zum machen. Denn durch die Reform der Handwerksordnung sind Zugangsbeschränkungen weggefallen. Allen voran der Meisterzwang in einer ganzen Reihe von Berufen. Statt in bisher 94 Handwerken ist diese Qualifikation nun nur noch für 41 Handwerke gefordert. Ganz einfache Tätigkeiten können ohne weitere Prüfung ausgeübt werden. Dabei ist allerdings Bedingung, dass sie innerhalb von drei Monaten erlernbar sind. Damit ist es auch Laien nunmehr erlaubt diese Handwerksarbeiten gewerblich auszuüben. Jedoch ist die Mitgliedschaft in einer Handwerkskammer erforderlich. Für Handwerke, die eine aufwändigere Ausbildung erfordern, ist zum Teil ebenfalls der Meisterzwang gefallen. Hier wird es zwar weiterhin den Meistertitel geben, aber er wird vor allem die Funktion eines Qualitätssiegels haben. Damit können sich Meister von weniger qualifizierten Konkurrenten abheben. In Berufen, wie Fliesenleger, Estrichleger oder Behälter- und Apparatebauer dürfen sich auch Gesellen selbstständig machen. Dagegen besteht der Meisterzwang in solchen Berufen weiterhin fort, in denen Gefahren für die Gesundheit oder das Leben von Dritten durch die Arbeiten drohen könnten. Hierzu gehören beispielsweise Elektrotechniker, Installateure und sogar FriseureJahrelange BerufserfahrungJedoch können auch hier Gesellen einen eigenen Betrieb gründen, wenn sie über sechs Jahre Berufserfahrung verfügen und davon vier Jahre in leitender Stellung gearbeitet haben. Ausnahmen bestehen aber für Schornsteinfeger, Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Orthopädietechniker, Orthopädieschuhmacher und Zahntechniker. Außerdem können nun auch Investoren einen Betrieb als Personengesellschaft führen, die selbst keinen Meistertitel haben. Das heißt, es ist ausreichend, wenn der Betrieb einen Meister angestellt hat, der sich um die fachlichen Belange und die Ausbildung kümmert. Der Inhaber kann sich beispielsweise ausschließlich kaufmännischen Angelegenheiten widmen. Bisher galt diese Regelung nur für Kapitalgesellschaften. Wer sich angesichts der Erleichterungen überlegt, selbst einen Betrieb zu gründen, muss diesen Schritt jedoch gut vorbereiten. "In der Meisterausbildung erlernen die Teilnehmer eine Menge kaufmännischer Kenntnisse", berichtet Heinrich Staudigl von der Handwerkskammer Berlin. Deshalb seien Meister bei dem Schritt in die Selbstständigkeit in der Regel gut gerüstet. Staudigl empfiehlt Unternehmensgründern, ein Existenzgründungsseminar zu besuchen. "Dort werden zumindest die Grundlagen im kaufmännischen und rechtlichen Bereich vermittelt", sagt er. Effektive BeratungHilfe bieten auch die Handelskammern selbst an. In der Betriebsberatung klären sie beispielsweise über die verschiedenen Fördermöglichkeiten auf. "Es ist wichtig, dass die Anträge vor der Gründung gestellt werden", betont Staudigl. Denn ist ein Betrieb erst einmal in die Handswerksrolle eingetragen, gäbe es keine Zusagen mehr für zinsvergünstigte Darlehen für Unternehmensgründungen. Damit die Beratung möglichst effektiv ist, sollten die künftigen Unternehmer aber bereits einiges an Vorarbeit geleistet haben. So müssen sie eine Vorstellung über ihr Angebot und die passende Zielgruppe entwickeln. "Wer als Friseur nur modische Schnitte anbieten will, ist damit in Wohngebieten wie Grunewald vielleicht nicht so erfolgreich, wie im Prenzlauer Berg", sagt der Experte. Darüber hinaus kann auch der ungefähre Stundensatz errechnet werden. Dazu müssen sämtlich Kosten, wie Miete, Auto, Versicherungen und der eigene Lohn addiert werden und dann durch die Zahl der Stunden geteilt werden, in denen wirklich für Kunden gearbeitet wird. Die Zeit, die mit Verwaltung oder Akquise verbracht wird, zählt also nicht dazu. Dieser Stundensatz muss im jeweiligen Umfeld konkurrenzfähig sein.NEUORDNUNG IM HANDWERK // Meisterzwang: Die 41 Gewerbe, die weiterhin einen Meitstertitel für die Selbstständigkeit erfordern, sind in der Anlage A der Handwerksordnung aufgelistet. Es sind Berufe, bei deren Ausübung die Gefahr besteht, dass andere geschädigt werden, wie Maurer, Bäcker, Zahntechniker und Frisöre. In den meisten dieser Berufe können sich aber Gesellen mit entsprechender Berufserfahrung ebenfalls selbstständig machen.Freie Tätigkeit: In der Anlage B der Handwerksordnung sind die 53 zulassungsfreien Gewerbe aufgeführt. Zu ihnen gehören etwa Schneider, Brauer, Weber und Uhrmacher. In diesen Berufen kann sich jeder Geselle frei betätigen. Einige Gewerbe, fallen gar nicht mehr unter die Handwerksordnung. Voraussetzung ist, dass sie in drei Monaten erlernbar sind.Inhaberprinzip: Neu ist auch, dass Investoren ohne Meister eine Personengesellschaft gründen dürfen, wenn sie einen Meister angestellt haben.DORINA TESSMANN