Der Hamburger Box-Profi Dariusz Michalczewski beendete seine erste Titelverteidigung als WBO-Champion im Halbschwergewicht erfolgreich. In der ausverkauften Kölner Stadthalle schlug er in der Nacht zum Sonntag den Spanier Roberto Dominguez in der zweiten Runde k.o. Bis dahin aber hatte der "Tiger" die fünf schwersten Minuten seiner Karriere zu bestehen."Ich habe wohl zu lange geschlafen. Jedenfalls hat mir Dominguez mit seinen Aufwärtshaken erst einmal ,Guten Morgen` gesagt." Der Titelverteidiger hatte sich zwar diese nette Umschreibung für seinen kläglichen Auftritt bis zur zweiten Minuten der zweiten Runde ausgedacht, doch wird er um eine kritische Analyse wohl nicht herumkommen. Denn der 25jährige Feuerwehrmann aus Viego, der im internationalen Ring bisher weithin unbekannt ist, nur in Spanien und nicht gegen allererste Klasse geboxt hatte, bestimmte die Szenerie. Drei-, viermal erwischte er schon in der ersten Runde den Deutsch-Polen so schwer, daß dieser sogar einmal zu Boden mußte.Im zweiten Durchgang rettete den wiederum angeschlagenen Weltmeister nur die Tatsache, daß der Spanier offensichtlich auf ein Kommando des Ringrichters wartete, die entscheidenden Sekunden zur Besinnung. "Hier habe ich versäumt, sofort nachzusetzen", sinnierte hinterher Dominguez enttäuscht. "Das wurde furchtbar bestraft."Tatsächlich zauberte der Champion urplötzlich einen linken Haken aus seinem Repertoire, auf kürzeste Distanz und mit Urgewalt geschlagen, daß der Herausforderer länger als eine Minute regungslos auf dem Ringbelag liegenblieb. Schon stellten sich Erinnerungen an die furchtbaren Szenen von London ein, doch Dominguez kam dann schnell wieder zu Kräften, und reichlich eine halbe Stunde später sprach er bereits von einer Revanche, die er sicher gewinnen würde.Der Gewinner-Schlag von Michalczewski aber bewegte noch lange die Gemüter. Dominguez sprach vom "lucky Punch", vom Glücksschlag, der das Geschehen auf den Kopf gestellt habe. Chuck Talhami, aus Miami eingeflogener Tiger-Coach, entgegnete, der furchtbare Hieb sei genau getimt und mit exakter Präzision geschlagen gewesen. Ringrichter Genaro Rodriguez (USA) sprach von einem "Schlag um zu überleben." Womit er wohl richtig lag.Denn noch niemals war Michalczewski einer Niederlage so nahe. Respektvoll bezeichnete er seinen spanischen Herausforderer "als härtesten Burschen, gegen den ich jemals gekämpft habe." Sein Manager Klaus-Peter Kohl freilich gewann der ganzen Sache auch positive Seiten ab: "Dariusz ist zwar Weltmeister, aber noch kein fertiger Boxer. Er lernt noch immer dazu, an diesem Abend wohl besonders. Ich glaube, er wird nie wieder so offen in solch eine Auseinandersetzung gehen." Und um den Langzeit-Clinch mit der konkurrierenden Sauerland-Promotion am Köcheln zu halten, fügte er hinzu: "Nur wer so hart schlägt wie Dominguez, hat überhaupt eine Chance gegen Michalczewski. Ich kenne keinen Boxer aus der derzeitigen Weltrangliste, der das kann. Der Tiger boxt nun einmal risikoreich und deshalb auch attraktiv." Ein Schelm, wer dahinter irgendwelche gewollte Parallelen zu Maske ausmachen will.Der Konkurrenzkampf zwischen beiden Boxställen bringt überhaupt immer neue Superlative hervor. Maskes spektakulärer Einmarsch (Walk-in) wurde in Köln durch ein "Fly-in" gekontert. An einer 66 m langen massiven Schiene unter dem Hallendach schwebte der Champion, zehn Meter über dem Publikum, in einem Stahlkäfig in die Halle, wurde neben dem Ring an Ketten heruntergelassen. Das Publikum jubelte, eingeschlossen die mit Pfiffen und Buh-Rufen empfangene lokale Politprominenz, der gefeierte 800-m-Exweltmeister Willi Wühlbeck ("Williiiiiiie"), die bein-behinderte Margarete Schreinemakers, die von beiden Arten Zuneigung etwas abbekam. "Die Leute lieben die Show", befand Promoter Kohl, und auch an dem Kampf hatte er nichts auszusetzen: "Es war alles drin, es ging auf und ab mit einem glücklichen Happy-End. Natürlich waren nur fünf Minuten etwas wenig, aber so ist eben Boxen."Allein Ralf Rocchigiani war`s zufrieden. Der Co-Kommentator des veranstaltenden Pay-TV-Senders Premiere: "Ich werde nicht nach Kampfdauer, ich werde pauschal bezahlt." +++