Links leuchtet blau das Wasser des Langen Sees, rechts stehen grün belaubte Bäume - und dazwischen ist ein sonnengelb lackierter Zug der Linie 68 mit gut gelaunten Fahrgästen an Bord unterwegs. Auf den Bildern von Gustav, Kim und anderen Viertklässlern der Insel-Schule gehört sie selbstverständlich dazu, die Straßenbahn von Grünau nach Schmöckwitz. Doch wie lange diese Bahn noch als Motiv dienen kann, ist ungewiss. Denn der Trasse im Südosten Berlins, die als eine der schönsten Straßenbahnstrecken in Deutschland gilt, droht das Aus. Jetzt formiert sich der Protest. Mit einer Menschenkette wollen Bürger am 9. April um 15 Uhr für den Erhalt der Uferbahn demonstrieren. Dabei dienen die Bilder aus der Schmöckwitzer Schule als Demoplakate.Es nicht das erste Mal, dass die vor 99 Jahren eröffnete Bahnlinie in Gefahr ist. "Eine Situation wie diese kennen wir schon", sagt Almuth Berger, die Vorsitzende des Ortsvereins Schmöckwitz. Vor knapp fünf Jahren hatten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erstmals für Aufregung gesorgt, als sie öffentlich darüber nachdachten, die Strecke jenseits vom Strandbad Grünau stillzulegen. Viele Gleise und Schwellen müssten dringend getauscht werden, doch die Sanierung lohne sich nicht. Pro Jahr würden nur 440 000 Fahrgäste mitfahren - zu wenig.Gesucht: mehr als 8 Millionen Euro"Damals haben wir rund 6000 Unterschriften gesammelt", so Berger. Die Argumente waren dieselben wie heute. "Für uns in Schmöckwitz und Karolinenhof ist die Bahn eine wichtige Verbindung nach Berlin - und viele Berliner fahren damit zum Wandern, Baden oder Segeln. Sie ist umweltfreundlich und steht auf dem Adlergestell nicht im Stau, weil sie einen eigenen Gleiskörper hat." Weil die parallele Straße vom Strandbad Grünau bis Richtershorn für Kraftfahrzeuge gesperrt ist, können Busse die Bahn nicht ersetzen. Sie müssten große Umwege fahren.Die Proteste vor fünf Jahren hatten Erfolg. Die BVG sorgte für eine Notreparatur. Doch dies halte nur bis 2011 oder 2012 vor, hieß es. Spätestens dann werde eine Grundsanierung fällig. Und die wird teuer: Damals war noch von vier Millionen Euro die Rede, heute schätzt die BVG die Kosten des Vier-Jahres-Projekts auf stattliche 18 Millionen Euro. Das Doppelgleis führt auf 2,4 Kilometer Länge durch Trinkwasser-Schutzzonen des Wasserwerkes Friedrichshagen. Dort verlangt die Senatsumweltverwaltung teure Vorkehrungen, damit der Bahnbetrieb nicht das Grundwasser verschmutzen kann - zum Beispiel durch Kühlmittel, Fette oder Hydrauliköle. So müssten die Schienen auf einem Betonunterbau verankert werden.Alles sehr ökologisch. Das Problem ist nur, dass es niemanden gibt, der die hohe Rechnung komplett bezahlen möchte. Dieses Projekt sei so umfangreich, dass eine Sonderfinanzierung des Senats erforderlich sei, meint die BVG. "Wir würden die Linie 68 gern weiter betreiben. Schließlich haben wir die Betriebspflicht", sagt die Chefin Sigrid Evelyn Nikutta. "Aber ob wir die Strecke sanieren, hängt davon ab, ob wir die erforderlichen Mittel bekommen." Notwendig sei eine "Gesamtzusage des Senats". Darüber will Nikutta mit der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) reden.Doch deren Verwaltung möchte nur einen Teil beisteuern - 9,8 Millionen Euro aus einbehaltenem S-Bahn-Geld. Schließlich zahle das Land der BVG jährlich 175 Millionen Euro, damit sie ihre Anlagen instand setzen kann. "An dieser Haltung hat sich nichts geändert", bekräftigt Junge-Reyers Sprecher Mathias Gille. "Die BVG ist jetzt gefordert."Deren Aufsichtsrat hat die Entscheidung, ob die BVG den Restbetrag von mehr als acht Millionen Euro übernimmt, aber schon mehrmals verschoben. Die Situation ist verfahren. "Darum werden wir jetzt wieder aktiv", sagt Almuth Berger.Die Zeit droht abzulaufen. Denn keiner kann sagen, wie lange die Trasse noch betriebssicher ist. "Das ist eine Strecke, bei der wir noch genauer als sonst hinschauen", sagt Oktay Yurdakul, Leiter der Technischen Aufsichtsbehörde des Senats. Im Sommer gebe es einen Ortstermin. Dann sei klar, was getan werden muss, damit die Uferbahn zumindest über den Winter kommt.------------------------------Seit 99 Jahren sind die Erholungs- und Wassersportgebiete zwischen Grünau und Schmöckwitz auf dem Schienenweg erreichbar. Am 9. März 1912 wurde die dortige Uferbahn eröffnet. Heute fahren dort die Züge der Linie 68. Doch die Trasse muss dringend saniert werden.Die Uferbahn muss weiterfahr'n: Unter diesem Slogan ruft der Ortsverein Schmöckwitz alle Berliner dazu auf, sich für den Weiterbetrieb der 7,8 Kilometer langen Straßenbahnstrecke einzusetzen.Am 9. April von 15 bis 15.30 Uhr solleine Menschenkette die Trasse säumen. Teilnehmer sollten ab 14 Uhr da sein.------------------------------Karte: Die Uferbahn Grünau-Schmöckwitz.Foto: Berliner Idyll: Die Straßenbahn nach Schmöckwitz endet vor der dortigen Dorfkirche.